Die geheimen Tagebücher des Journalisten F.
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Journalist F. macht einen Familienausflug mit

Ach, wie schön ist doch die Welt im amerikanischen Film. Da gehen Väter mit ihren erwachsenen Söhnen einig durch die Welt, bestehen Abenteuer und verstehen sich so gut, wie es in einer Männerfreundschaft nur eben geht. Alles Käse, denkt der Journalist, der wachen Auges durch die Welt geht. Um dann doch verblüfft festzustellen: das gibt es tatsächlich. Und zwar gar nicht mal weit entfernt im Nachbarstädtchen Z.

Familienausflug literarisch
Alle wichtigen Leute waren in die Kreisstadt H. gekommen: der Oberbürgermeister derselben, hier sich offensichtlich gar nicht wohl fühlend…

Dort lebt nämlich Autor O. mit seiner Familie. Besser gesagt, mit dem Teil seiner Familie, der noch nicht in die weite Welt ausgewandert ist, um reich und berühmt zu werden. Außer ihm, der eine respektable juristische Karriere im Nachbarstädtchen Z. hingelegt hat und damit auch weit über die Grenzen der Region Bekanntheit erlangte, ist das nur noch seine Gattin, Frau O. Ihr Vorname ist genau so absonderlich wie der der beiden Kinder. Doch das tut eigentlich nichts zur Sache. Auch nicht, dass Frau O., selbst Künstlerin, die einzige in der Familie, die zum Pinsel greift, sehr darunter leidet, um Schatten ihres aus Gatten, Tochter und Sohn bestehenden Anhangs zu stehen. Wie auch immer, sie vermag es prima, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und war auch strahlend bei der Lesung anwesend, die ihr Gatte aufgrund seines neuesten literarischen Produkts – natürlich im Eigenverlag veröffentlicht - in der Kreisstadt H. veranstaltete.

Familienausflug literarisch
… der Landrat, den Journalist F. in der letzten Zeit fast täglich trifft…

Familienausflug literarisch
… und die schauspielernde Generalstochter, die in der Kreisstadt H. statt im schönen Rinderstaat T. lebt.

Ach, wie war es schön. Alle, wirklich alle waren gekommen. Zumindest die, auf die es wirklich ankommt. Landrat, Oberbürgermeister, die Enkelin eines weltberühmten amerikanischen Generals, selbst Sängerin, Schauspielerin und Leiterin einer seltsamerweise nach ihr benannten Stiftung zur Verhinderung des Weltfriedens, oder so ähnlich, waren im Publikum zu sehen. Weiterhin zwei Beigeordnete der Kreisstadt H., so dass beinahe die gesamte Führungsspitze der Stadtverwaltung im (immer noch relativ) neuen Café am historischen Markplatz sich eingefunden hatte. Und alles, weil man gespannt war, wie es dem lieben Autor O. wohl im fernen Bundesstaat T. auf der anderen Seite des Ozeans A. ergangen war, wohin er vor einigen Jahren spontan verreiste.

Familienausflug literarisch
Autor O. las mit gewichtiger Miene die Annalen eines Familienurlaubs und das Publikum musste zuhören. Das taten sicherlich nicht alle freiwillig.

Eigentlich lag der Grund in allem in der unendlichen Liebe seiner Familie zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten, so Autor O., nachdem Oberbürgermeister und Landrat ebenso überflüssige wie langatmige Reden gehalten hatten, welche die eh schon viel zu lange dauernde Veranstaltung weiter in die Länge ziehen sollten. Diese Liebe wiederum rührte daher, dass man einst in düsteren Tagen des dann doch nicht ganz tausendjährigen Reiches Papa O. in den Bundestaat T. verschleppt hatte, wo man damals wie heute Rinder und Präsidenten züchtet. Über diese Zeit gibt es ein Familienalbum mit lustigen Zeichnungen und weniger lustigen Parolen, die damals sicher noch den zum Glück ebenso schmählich gescheiterten wie selbst ernannten Führer der Germanen erfreut hätten. Natürlich interessiert es die Nachfahren immer, ob das, was ihnen in früher Kindheit von den Altvorderen berichtet wurde, auch wirklich gestimmt hat und so erfuhr das erstaunte Publikum dann, nachdem in bester Thomas-Mann-Manier – und somit in epischer Breite - das Prasseln der Holzscheite im Kanonenofen der elterlichen Küche geschildert worden war, dass sich der gerade mal zur künstlerischen Inspiration in New York weilende Filius spontan mit Papa verabredete, von New York aus auf dem Rücken feuriger Indianerhengste die Vergangenheit der Familie zu erkunden. Schließlich ist man Weltbürger, großmütig und tolerant, auch wenn man aus dem Nachbarstädtchen Z. stammt.

Familienausflug literarisch
Begierig lauscht das Publikum, dass endlich etwas Spannendes oder Hörenswertes an ihre Ohren dringt. Doch leider vergebens.

Dazwischen sorgte ein höchst absonderliches Duo für musikalischen Zeitvertreib. Er, offensichtlich echter Büger des Staates mit dem Sternenbannner, wirkte recht verwegen mit geflochtenem Zopf und dem Nimbus, gerade aus dem Hollywoodstreifen Easy Rider entsprungen zu sein. Sein gitarristischer Begleiter, eigentlich ganz putzig, schien eher aus der hiesigen Gegend zu kommen, was er geschickt mit einem sorgsam gehäkelten Cowboyhut zu verbergen versuchte. Anyway, die staubigen Straßen im Bundesstaat T., wo, wie schon erwähnt, heute wie damals Kühe und Präsidenten wachsen und das Erdöl aus dem Boden schießt, erklangen so trocken in den Ohren des ebenso zahlreich wie brav erschienenen Publikums wie die Steppen, auf denen die Rinder meist vergebens nach Grünfutter suchen.

Familienausflug literarisch
Das Äußere sagt hoffentlich nicht immer etwas über den Charakter eines Menschen aus. Hier Sänger R. voll in Aktion mit "Country Road".

Familienausflug literarisch
Und sein überaus putziger Instrumentalbegleiter mit Häkelhut.

Papa und Sohn, einig wie die besten Freunde. Auf dem Rücken der Pferde. Vor grandiosem Sonnenuntergang, die Eingeborenen umarmend – ach, was waren es herrliche Bilder, die als Ilustration zu dem Gelesenen über die Leinwand am Ende des Cafés flimmerten. Zudem auch unfreiwillig komisch und gleichzeitig beruhigend, denn sie bewiesen, dass der ansonsten ob seines literarischen Kunstsinns weltberühmte und mit vielen Preisen ausgezeichnete Sohn O. wenigstens vom Fotografieren keinen blassen Schimmer hat. So sah man dann viel Landschaft und mitten in selbiger kleine Figuren, die sich stolz in Pose geworfen hatten.

Familienausflug literarisch
Journalistin G. voller Begeisterung über das Gehörte. Sie ist seitdem begierig, auch von anderen Menschen Berichte ihres Familienurlaubs zu erhalten. Vielleicht die Wiederkehr der selten in guter Erinnerung gebliebenen Diaabende.

Am Rande der Veranstaltung musste Journalist F. Journalistin G., mit der er zusammen am Tisch saß, ein Versprechen geben. Baldmöglichst soll eine Lesung stattfinden, indem der talentierte Autor F. den letzten Urlaubsausflug zu Schwester B. in epischer Breite einem aufmerksamen Publikum schildert. Mit Fotos natürlich, das ist Ehrensache.
6.11.06 01:16
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


pipedeloro / Website (14.11.06 22:24)
künstler tragen schwarz. auch lebenskünstler. und das ist auch gut so.

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