Die geheimen Tagebücher des Journalisten F.
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Künstler F.

Journalist F. stellt aus und feiert ein Fest

25 Jahre können eine lange Zeit sein. Besonders, wenn es sich um einen Kunstverein handelt. Denn Künstler sind bekanntlich Individualisten, die allgemein Schwierigkeiten haben, sich dem organisierten Freizeittun zu unterwerfen. Daher war ein großes Fest geplant, als der Kunstverein im Nachbarstädtchen Z. sein Silberjubiläum zu begehen dachte. Schon in den frühen Morgenstunde hatte man Zelte in der Signalfarbe Orange auf dem Platz vor dem Rathaus aufgebaut. Dort gab es allerlei Dinge zu kaufen.

Kataloge und Kunstwerke zum Beispiel, was aber relativ wenig Resonanz hervorrief. Oder Wein, Kuchen und Getränke. Gegen Entgelt allerdings. Da deutlich billiger als die Kataloge oder die Kunst, wesentlich mehr frequentiert, aber es hätte mehr Verzehr sein können, meinte man in Kreisen der kunstsinnigen Veranstalter.

Künstlerparty
Zwei Vertreterinnen aus dem Kloster K. erkundigen sich interessiert nach Kunst und Katalogen. Kein Wunder, denn sie haben ein Armutsgelübde abgelegt, das den Genuss kulinarischer Versuchungen streng verbietet.

Immerhin hatte man ausschließlich Alpha-Bürger des Nachbarstädtchen Z. und angrenzender Gebiete erwartet. Und die verfügen bekanntlich über ein beträchtliches Vermögen. Nur, wer Geld ausgibt, wird niemals reich. Dem Geizigen gehören die fetten Sparbücher. Daher gab es nur ein Zelt, vor dem ständig Andrang herrschte. Das war die kostenlose Malstunde mit Aktionskünstler K., der eigens aus dem Land der Almen, Käsesorten und lila Kühen angereist war, um die Maltanten des Nachbarstädtchens Z. durch seine Mitmachaktionen zu unterhalten.

Künstlerparty
Auch Traktorkatastrophenmaler Q. war aus der Landeshauptstadt M. angereist, um Künstler Irgendlink zu unterstützen. Dieser ist nämlich seit kurzer Zeit zweiter Präsident den Kunstvereins im Nachbarstädtchen Z. und somit plötzlich vom Europenner zum Alpha-Bürger avanciert.

Aktionskünstler K. hatte alle Hände voll zu tun, die rührigen Künstlerinnen im Pinselschwingen zu unterrichten. „Au ja, ich male jetzt ein Vögelchen!“ meinte die eine. Andere wiederum zogen röhrende Hirsche oder Alpenveilchen vor. Auch Künstler Irgendlink musste mitmalen. Er widmete sich dabei seinem neuesten künstlerischen Projekt, dem Sex.

Künstlerparty
Künstler Irgendlink erklärt Galerist K., wie man bei der Aktion mitmacht und somit automatisch das Prädikat „Maltante des Tages“ bekommt.

Einige Meter weiter ging es noch künstlerischer zu. Denn pünktlich zum Jubiläum durften die zahlreichen Mitglieder des Kunstvereins im Nachbarstädtchen Z. ihre Werke der Öffentlichkeit präsentieren, welche das Angebot eher zähneknirschend annahm. Unter alle den bunten Bildern von Blumen und Landschaften fielen zwei Arbeiten besonders auf. Auch die Besucher bestaunten die interessanten Bilder besonders intensiv.

Künstlerparty
„Welch interessante Arbeiten!“ riefen diese Besucherinnen.

Künstlerparty
„Formidable!“ war aus dieser Besucherinnengruppe zu hören.

Künstlerparty
Bei näherer Betrachtung stellten sich die interessanten, viel beachteten Bilder als Kunstwerke des weltberühmten Fotografen F. heraus, der den geneigten Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs weit besser als Journalist F. bekannt ist.

Künstlerparty
Wie Wissenschaftler Frankendlink hinter vorgehaltener Hand verriet, gab es eine eigens eingerichtete Horrorwand mit besonders eindringlicher Kunst. Künstler Irgendlink bestritt dies auf das Heftigste und er muss es als Vizepräsident des Kunstvereins im Nachbartstädtchen Z. ja schließlich wissen.

Künstlerparty
Derweil malte man bei der Maltantenkür unverzagt weiter.

Beeindruckende Werke erschlossen sich Auge und Geist von Journalist F., der leider keinen Bericht für eine der beiden führenden Tageszeitungen im Nachbarstädtchen wegen Befangenheit schreiben darf. Auch Künstler Irgendlink darf nicht schreiben, da er als zweiter Vorsitzender des Vereins sicherlich voreingenommen. Besonders, da auch ein Kunstprojekt vom ihm hier die Wände zierte.

Künstlerparty
Leider hatte die ausgestellte Kunst von Künstler Irgendlink nichts mit Sex zu tun. Schade eigentlich. Dabei ist er doch ein attraktiver, gut aussehender junger Mann, den sich beim Kunstvereinsfest so mancher als Schwiegersohn gewünscht hätte.

Nicht zu vergessen die akustische Kunst, die über die Gäste hereinbrach. „Aufhören, aufhören! Jetzt reicht’s aber!“ hörte man Traktorkatastrophenmaler Q. frenetisch schreien, als die Band auf der Bühne ihr letztes Stück angekündigt hatte. So schön können sich wahre Musikfreunde freuen und die Musiker auf der Bühne anfeuern!

Künstlerparty
„Jetzt erst recht! hörte man Bassist K. murmeln, der übrigens gleichzeitig Neffe von Copykünstler F. ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Nach den frenetischen Anfeuerungen aus dem Publikum spielte man noch fünf Zugaben. Dann fürchtete man sich vor der Rache von Traktorkatastrophenmaler Q. und das Fest war zu Ende.
26.6.07 21:32




Journalist F. macht neue Kunst

Es sind graue und scheinbar eintönige Tage, die das Journalistenleben derzeit prägen. Winter, zwar mild, aber trübe. Trotzdem lässt sich der fleißige Zeitungsschreiber die Stimmung nicht vermiesen und kombiniert das Angenehme mit dem Nützlichen.

Zum Beispiel vergangenen Sonntag, als eines der elitären Konzerte für die feine Gesellschaft des Nachbarstädtchens Z. angesagt war. Man hatte ein feines, putziges Trio eingeladen, das so monoton wie möglich zwei Stunden lang Musik aus dem Biedermeier auf Gitarre, Flöte und Viola darbrachte. Zum Glück hatte Journalist F. vorher noch Gelegenheit zu einem Spaziergang in der ebenso romantischen wie barocken Umgebung des Konzertsaales.

Neue Kunst
Das blieb übrig vom Lustschloss F. nahe dem Nachbarstädtchen Z.

Da frische Luft bekanntlich kreativ macht, erwachte im Journalisten F. plötzlich der Künstler F. und schon kam die Idee, mittels Kamera die barocke Lustanlage abzulichten. Zugegeben, die hat schon bessere Zeiten gesehen. Aber man kann sich immer noch vorstellen, wie einst die exilierten Könige aus dem ehemaligen Ostblockland P. hier residierten und über ihr trauriges Schicksal nachdachten. Wie auch immer, Künstler F. hatte schnell seine Kamera gepackt und viele, viele, künstlerisch wertvolle Aufnahmen gemacht. Aus denen ist dann in mühevoller Heimarbeit etwas ganz Neues entstanden. Ein anderer Anblick des alten Gemäuers mit seinen Tümpeln und Wasserläufen. Aber die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs mögen sich selbst überzeugen.

Neue Kunst
Das Lustschloss F. nahe dem Nachbarstädtchen Z. einmal ganz anders gesehen.

Neue Kunst
Hier eine andere Perspektive.

Neue Kunst
"Im Kerker des Sonnenkönigs".

Neue Kunst
"Grenzen des Barock"
8.2.07 00:15


Journalist F. vereint die Kunst

Man trifft sich eigentlich recht häufig im Kunstverein der Landeshauptstadt M., in dem auch Fotokünstler F. Mitglied ist. Leider lassen es seine zahlreichen Verpflichtungen als Kulturorganisator, Journalist und weltberühmter Autor nicht zu, dass er jedes Mal die weite Reise in die Ferne antreten kann. Nur ab und an nutzt er natürlich die Gelegenheit, Künstler Irgendlink ins Auto zu packen und das Kunstgeschehen in M. zu revolutionieren.

Vereinte Kunst auch 2007
Die beiden wichtigsten Menschen im Kunstverein der Landeshauptstadt M. im Bundesland R. sind Schmuckkünstlerin R. und Aktionskünstler B. Mit ernster Miene eröffneten sie die wichtige Sitzung.

Viele wichtige Themen standen auf dem Programm des Abends. Beispielsweise, ob man die neuen, biologisch-dynamischen Kartoffelchips zur nächsten Vernissage reichen soll oder ob aus Kostengründen lieber die preiswerten, aber leider von indischen Kinderhänden handgeschnittenen Knabbersachen von Discounter A. den Gaumen der Kunstfreunde erfreuen werden. Ein Thema von höchster Brisanz, wie sich bald herausstellen sollte.

Vereinte Kunst auch 2007
"Die Sachen von Discounter A. sind aber sehr, sehr lecker!" eröffnete Künstler Irgendlink die Diskussion, während Traktorkatastrophenmaler Q. schon das Wasser im Mund zusammenlief.

Vereinte Kunst auch 2007
Ob einer solch simplen, leider aber politisch völlig unkorrekten Aussage war man in Kreisen des Kunstvereins der Landeshauptstadt M. ebenso peinlich wie sichtlich pikiert.

Vereinte Kunst auch 2007
"Streichen Sie diesen Menschen doch schnellstens aus der Mitgliederliste, verehrte Präsidentin!" wusste ohne Zögern Sozialmaler E. anzuweisen. Diese wollte den Rat auch gleich in die Tat umsetzen.

Vereinte Kunst auch 2007
"Vielleicht kann der liebe Künstler Irgendlink die wahren Zusammenhänge gar nicht wissen. Auf das einsame Gehöft, hoch über dem Nachbarstädtchen Z., nahe der Kreisstadt H. brauchen auch Sensationsnachrichten lange!" verteidigte Videokünstlerin D. mit einem tiefen Sinn für Gerechtigkeit den fleißigen Künstler. Nicht ahnend, dass hinter der perfiden Idee des Discountergebäcks vielleicht der grausame Wissenschaftler Frankendlink stecken könnte.


Vereinte Kunst auch 2007
Böse Blicke waren die Folge. Die Situation wurde immer gespannter.

Vereinte Kunst auch 2007
"Ich denke, Künstler Irgendlink wird die biologischen Kartoffeln selbst anbauen auf dem einsamen Gehöft, hoch über dem Nachbarstädtchen Z., nahe der Kreisstadt H. Und ich werde ihm mit dem Traktor dabei helfen. Vielleicht springt sogar eine kleine Traktorkatastrophe ab!" beschwichtigte Traktorkatastrophenmaler Q.

Vereinte Kunst auch 2007
"Gerne, gerne werde ich das tun!" Künstler Irgendlink war heilfroh, nicht mit Schimpf und Schande aus dem Verein gewiesen zu werden. "Und ich werde auch echte deutsche Kinder finden, die die Chips schneiden und backen werden!"

Vereinte Kunst auch 2007
"Eine gute Idee. Schreibt das auf für das Protokoll!" verkündete Vorsitzender B., während er mit seinem goldenen Pinsel, als Insignie der Vereinsführung, auf den Tisch klopfte.

Nachdem dieser schwierige Punkt geklärt war, wusste eigentlich niemand mehr so recht, was man sonst noch besprechen könnte. Bis Literaturverwalter I. auf die Idee kam, man sollte sich doch einfach mal ein Motto für die nächste Ausstellung ausdenken. Mit großem Jubel wurde dieser kreative Vorschlag angenommen.

Vereinte Kunst auch 2007
"Na, dann mal raus mit den Ideen!" befahl Sozialkünstler E. und blickte streng in Richtung des attraktiven jungen Mannes, der gerade die rettende Idee hatte.

Vereinte Kunst auch 2007
"So gesehen, tja, wie wäre es denn, wenn man die Kartoffelchips von Künstler Irgendlink nicht aus dem Auge lässt, mit dem Thema 'Landwirtschaft im Laufe der Weltgeschichte von der Eis- bis in die Neuzeit'? antwortete spontan Literaturverwalter I.

Vereinte Kunst auch 2007
"Einverstanden!" beschied Traktorkatastrophenmaler Q. "Aber nur, wenn der Schwerpunkt der Ausstellung auf dem Thema Traktorkatastrophenmalerei liegen wird!"

Vereinte Kunst auch 2007
"So sei es niedergeschrieben!" rief mit offiziell klingender Stimme die Ko-Präsidentin des Kunstvereins, Schmuckkünstlerin R.

Anschließend löste sich die konspirative Versammlung sichtlich erleichtert auf und alle Künstlerinnen und Künstler stoben in verschiedene Richtungen durch die kalten, dunklen Straßen der Landeshauptstadt M.
27.1.07 23:40


Journalist F. besucht eine Ausstellung für kleine Künstler

Die Aktivitäten von Journalist F. sind ja, wie den geneigten Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs seit langem bekannt, überaus vielfältig. So stand jetzt am Wochenende wieder ein Einsatz von Fotokünstler F. auf dem Programm. Denn im Chemiestädtchen I., direkt am schönen Rhein gelegen, fand eine große Bilderschau des Kunstvereins W. aus der Landeshauptstadt M. des Bundeslandes R. statt. Natürlich mit dabei: Fotokünstler F.

Ausstellung für Zwerge
In ebenso freundlichem wie homophilen Rosa lockte das Schild am Eingang in die Ausstellung.

Die Räumlichkeiten, die man sich in diesem Jahr ausgesucht hatte, waren in einem stillgelegten Teil eines großen Möbelhauses untergebracht. Dort hatte man bis vor Kurzem noch Küchen verkauft. Doch das stete Fortschreiten von Fast-Food-Ketten und Tiefkühlpizza ließ den Umsatz der teuren Möbelstücke derart zurückgehen, dass man beschloss, zukünftig lieber Kunst statt Kochutensilien zu zeigen. Allerdings hatten die beiden Ausstellungsetagen eine merkwürdige Besonderheit, wie das nächste Foto eindrucksvoll demonstriert.

Ausstellung für Zwerge
Der Vergleich von Künstler Irgendlink mit der Ausgangstür beweist: hier fand eine Ausstellung für Zwerge statt. Oder zumindest für sehr kleine Künstler.

Das Wichtigste an der leider nur drei Tage dauernden Ausstellung waren natürlich die Exponate von Fotokünstler F.

Ausstellung für Zwerge
Künstler Irgendlink und Traktorkatastrophenmaler Q. bewundern die ausgefeilte Fototechnik von Künstler F.

Zwei weitere überaus wichtige Kunstereignisse fanden ebenfalls in den illustren Räumlichkeiten statt. Bilder von Künstler Irgendlink und diverse, in Öl festgehaltene Traktorkatastrophen vom Genremaler Q.

Ausstellung für Zwerge
Niemand glaubt, welch tragische Unfälle mit Traktoren passieren können. Nur Traktorkatastrophenmaler Q. hat die wahre Dimension dieser stillen Tragödien erkannt und malt sie mit Öl und Feuereifer.

Ausstellung für Zwerge
Künstler Irgendlink war am Ort der Ausstellung unterwegs und hat eine seiner berühmten Kunststraßen geschaffen.

Großes Entsetzen allerdings löste die Entdeckung eines weiteren Werkes aus, das offensichtlich von niemand anderem als dem grausamen Wissenschaftler Frankendlink stammen konnte.

Ausstellung für Zwerge
Wenn Wissenschaftler Frankendlink aktiv wird, dann hat das immer mit Grausamkeiten zu tun, wie man hier sieht.

Ausstellung für Zwerge
"Welch gut aussehenden jungen Mann hat man denn auf diesem Kunstwerk abgelichtet?" fragte sich Künstler Irgendlink beim Blick in den Dekorationsspiegel, der noch aus seligen Küchenstudiozeiten in der Wand geblieben war.

Ansonsten stand natürlich, wie bei Vernissagen üblich, weniger die Kunst als vielmehr die Künstlerinnen und Künstler im Vordergrund. Mit dabei, dieses Mal ohne kleidsamen Teppich, Videokünstlerin D.

Ausstellung für Zwerge
Einen ganzen Fanclub, überwiegend aus Mitgliedern der Generation Cannabis bestehend, hatte Videokünstlerin D. mitgebracht. Auch ohne Teppich konnte sie fachfraulich erklären, was in dieser Ausstellung alles los ist.

Ausstellung für Zwerge
Allerdings hatte Videokünstlerin D. dieses Mal weniger Videos als vielmehr seltsame Zeichnungen mitgebracht, auf denen sie ihr eigenes, tragisches Schicksal malerisch verarbeitete. So wie hier, "Selbstbildnis im Teppich" tituliert.

Ausstellung für Zwerge
"Also ich finde die Traktorkatastrophenbilder, ganz im Vertrauen gesagt, eine Zumutung. Viel zu viel Landschaft!" befand Aktionskünstler B. im Gespräch mit Künstler Irgendlink, der diese Meinung freudig teilte.

Ausstellung für Zwerge
Das Künstlerdasein macht müde. Daher hatte man aus den Restbeständen des Möbelhauses Sch. diverse Sessel in die Ausstellungsräume geschafft. Links sieht man Grafikkünstler H., der auch als Kurator der Werkschau gründliche Arbeit leistete.

Im Jahr zuvor, als noch niemand so richtig Journalist F. kannte, brachte man so manch interessantes männliches Wesen mit auf die Vernissage der Jahresausstellung des Vereins. Das vermied man natürlich jetzt, denn man wusste um die Gefahren, die jungen, attraktiven Männern drohen, wenn Journalist F. die Szenerie betritt. Daher konnte man Model K. zum tiefen Bedauern von Künstler F. in diesem Jahr nicht live bewundern, sondern nur auf einem Bild der vorsichtigen Fotografin K.

Ausstellung für Zwerge
Model K. in aufreizender Pose. Fotografin K. hatte nur ein Foto mitgebracht, um den unschuldigen jungen Mann vor dem ungebührlichen Zugriff von Journalist F. zu schützen.

Ausstellung für Zwerge
Andere der anwesenden Gäste waren zwar augenscheinlich zutiefst homophil, da sie es schafften, völlig ohne Bodenberührung durch den Raum zu schweben, doch konnten sie kaum das Interesse von Journalist F. wecken.

Ausstellung für Zwerge
Derweil ließ sich die Generation Cannabis von nichts und niemanden die gute Laune verderben. Bevor sie ins Treiben des wilden Nachtlebens des Chemiestädtchens I. entschwanden, plünderten sie noch gewissenhaft die Alkoholvorräte des Ausstellungsausschanks.

Wer immer noch dem schrecklichen Laster des Nikotinkonsums frönte, der wurde mit Kälte bestraft. Denn Rauchen war nur draußen vor der Tür in der frostigen Novembernacht erlaubt. Das hielt die Gäste aber keinesfalls vom verdammenswürdigen Tabakkonsum ab.

Ausstellung für Zwerge
Gegen die Kälte half den zahlreichen Nikotinjunkies nur der zusätzliche Verzehr von Alkohol. O Tempora o Mores! Wie tief wird unsere Welt noch sinken?

Die wirklichen Tragödien spielten sich jedoch im Hintergrund ab. Aus natürlichem Forscherdrang begaben sich Künstler Irgendlink und Traktorkatastrophenmaler Q. in die nicht der Öffentlichkeit zugänglichen Räume der Kunstgalerie. Dort fand sich nicht nur eine voll ausgestattete Küche, sondern auch ein großer Topf mit Rahmschnitzeln, die man sofort verzehrte, bevor noch jemand anderes auf ähnliche Ideen kam.

Ausstellung für Zwerge
Künstler Irgendlink und Traktorkatastrophenmaler Q. finden das zufällig entdeckte Schnitzel köstlich. "Ich glaube, das ist vom 99. Geburtstag der Oma von Künstlerin O. übrig! Aber man muss es heute noch essen!" gab Traktorkatastrophenmaler Q. geheimes Wissen preis. "Und wann war dieser Geburtstag? " wollte Künstler Irgendlink daraufhin wissen. "Ich glaube, vor drei Jahren, wenn ich recht informiert bin!" war aus dem kauenden Mund des Malers zu hören.

Während unsere beiden Helden der Kunst sich die Mahlzeit schmecken ließen, gab es an anderer Stelle wahren Katastrophen. Denn Hund B. war nach vielen Stunden des Kunstgenusses reichlich hungrig geworden und verlangte nach seinem wohl verdienten Fresserchen. Das suchte Frauchen allerdings vergeblich im Kühlschrank der Küche. "Hier war doch eindeutig eine Plastikschüssel mit Schlachtabfällen in Rahmsoße!" behauptete die ratlose Dame, die nun nicht wusste, wie sie den Hund satt bekommen sollte, der schon gefährlich knurrte.

Ausstellung für Zwerge
Zum Glück war Journalist F. mit einem Schweineohr zur Stelle, um Künstler Irgendlink und Traktorkatastrophenmaler Q., die Schuldigen an dem Dilemma, zu retten und den wütenden Zerberus zu beruhigen.

Ausstellung für Zwerge
Kein Wunder, wenn Künstler Irgendlink kritisch durch seine Weihnachtsbrille blickte.

Ausstellung für Zwerge
Dass der Kunstverein W. aus der Landeshauptstadt M. durch und durch basisdemokratisch organisiert ist, beweist dieses Hinweisschild, das allerdings auch für Verwirrung sorgte.

Ausstellung für Zwerge
Den wahren Weg zu interessanten Exponaten wies jedoch Künstler Irgendlink.

Ausstellung für Zwerge
Auf der Toilette ein Relikt ebenso frauenbewegter wie basisdemokratischer Zeiten, die jetzt mindestens 25 Jahre zurück liegen. "Im Sitzen pinkeln!!!!" war als Überschrift auf der porzellanweißen Ausscheidungsprodukteentsorgungseinheit zu lesen. Und weiter: "Und überhaupt nur im Sitzen. Wird videoüberwacht!"

Ausstellung für Zwerge
Kein Wunder, wenn sich bei solcherlei Ereignissen manch ein Besucher erst einmal ausschlafen musste, bevor es mit dem Kunstgenuss weiter gehen konnte.
11.11.06 16:01


Journalist F. stellt aus

Wie schon erwähnt, es ist viel passiert in den letzten Tagen. Auch davon muss im Journalistenblog berichtet werden. Beispielsweise über die Ausstellung, in der Kunstwerke von Journalist F. in seiner Rolle als Fotograf F. gezeigt werden. Selbige Kunstschau vereint über 100 Künstlerinnen und Künstler in einer alten Abtei im Eifelstädtchen P. Diese dient normalerweise als höhere Bildungsanstalt, aber da die Pennäler in Ferien und ihre Pädagogen somit in der Toskana weilen, stehen die Räume leer. Eine gute Idee also, die Ferien zu nutzen und dort die Jahresausstellung eines international agierenden Kunstvereins zu veranstalten.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Der Eingang zu den ebenso barocken wie illustren Ausstellungshallen im ehrwürdigen Gymnasium des Eifelstädtchens Prüm.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Eine große Tafel weist auf die bemerkenswerte Kunstausstellung hin.

Dieser zeigt bereits zum 49. Mal in Folge die Arbeiten von Künstlern, welche durch eine Kommission aus den zahlreichen Bewerbungen ausgewählt werden. Erstmals sind bis zum 20. August auch die Arbeiten von Fotograf F. zu sehen, der somit aus der Riege der Hobbyfotografen in die Klasse der Künstler aufgestiegen ist. Kein Wunder also, dass nicht nur er zur feierlichen Eröffnung reiste, sondern gleichzeitig auch Künstler Irgendlink, Ex-Galerist K. und Schwester B. den fleißigen Journalisten, Autor und Künstler begleiteten.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Schwester F. war aus dem nördlich gelegenen G. angereist. Künstler Irgendlink und Ex-Galerist K. kamen im Journalistenfahrzeug mit.

Natürlich gab es auch die unvermeidlichen Eröffnungsreden. Die dauerten lange und waren nicht von allzu großer spannender Dramaturgie geprägt. Bürgermeisterin, Schuldirektor (der eigens den Toskana-Urlaub verschoben hatte), Landrat, Sparkassendirektor und schließlich der Chef des Kunstvereins, ein leicht vertrottelt wirkender Professor, wechselten sich mit den sehr ähnlich klingenden Lobeshymnen ab. Das Publikum ertrug es gelassen und hoffte auf die spätere Bewirtung.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
"Ich freue mich sehr, dass diese Ausstellung gerade hier…" verkündete die Bürgermeisterin.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Künstlerin und Diplom-Biologin Dr. B. hörte am Fenster andächtig zu. Ihr hatte es Fotokünstler F. zu verdanken, dass seine Bilder in den heiligen Kunsthallen hängen durften.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Auch die Kreismusikschule durfte anlässlich der Ausstellungseröffnung üben.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
"Ja, es ist wirklich sehr schön, jedes Jahr hier zu stehen und das selbe Redemanuskript abzulesen, ohne dass es jemand merkt…" berichtete Professor B., der Vorsitzende des international operierenden Kunstvereins.


Nach rund zwei Stunden Musik und markiger Worte ging es endlich in die Ausstellung, wo sich Journalist F. in der ungewohnten Rolle als Fotokünstler F. befand. Eine Rolle, die Spaß machte. Als Journalist muss man nämlich alle Kunstwerke wertneutral betrachten und sich mit Urteilen zurückhalten. Als ausstellender Künstler hingegen durfte man endlich kritischen Blicks durch die Hallen streifen und am Ende feststellen, dass es nur zwei Exponate gab, welche die Bezeichnung "große Kunst" wirklich verdienten.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Die beiden einzigen Werke, welche wirklich künstlerisch wertvoll waren. Zufällig waren es die Exponate von Fotokünstler F., wie sich später herausstellte.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Ex-Galerist K. vervollständigte fachmännisch diverse Skulpturen.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Auch Wissenschaftler Frankendlink hatte heimlich eine Arbeit in die Ausstellung geschmuggelt, wie unschwer auf diesem Foto zu erkennen ist.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Künstler Irgendlink freute sich, dass er Frankendlinks erstaunliche Arbeit gefunden hatte.

Völlig geschafft von Vielfalt und schlechter Qualität der Kunstwerke und tief beeindruckt von den beiden herausragenden Exponaten von Fotokünstler F. begab man sich zur Erholung in die nahe gelegene Eisdiele. Dort warteten preiswerte Rieseneisbecher auf hungrige Gäste und fanden in Schwester B., Journalist F., Künstler Irgendlink und Ex-Galerist K. dankbare Abnehmer.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
"Wo bleibt mein Eis?" wunderte sich Ex-Galerist K. ungeduldig.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
"Meins ist auch noch nicht da!" wusste Schwester B. zu kontern.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Schließlich begann das lange Warten auf das versprochene Festessen, zu dem man die Fotokünstler F. und seine Fanschar eingeladen hatte.

Alles Warten hat mal ein Ende und schließlich saß man an der langen Tafel. Eine offensichtlich geistig verwirrte Künstlerin verkündete stolz, man habe in diesem Jahr dem großen Vorbild gehuldigt und wie Galerist B. aus der Kreisstadt H. selbst gekocht. Bei rund 30 Grad Hitze und fehlenden Kühlmöglichkeiten hatten diverse Künstlerinnen und Künstler köstliche Sachen wie Krabbencocktail und Lachbrötchen gebastelt. In letzter Sekunde konnte Fotokünstler F. Künstlerkollegen Irgendlink noch vom Verzehr dieser bekanntlich sehr wärmeempfindlichen Speisen abhalten. Dadurch wurde seine Gesundheit sicherlich erhalten. Leider blieb als einziges Vertrauen erweckendes Lebensmittel ein trockener Kuchen übrig, den Ex-Galerist K. im hinteren Teil des Büffets entdeckt hatte. "Der ist mit mindestens 180 Grad gebacken. Da kann eigentlich nichts passieren und alle Bazillen sind tot." Meinte er fachmännisch.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Man saß an einer langen Tafel und spachtelte exaltiert Selbstgekochte Fischgerichte. Künstler Irgendlink versuchte all seinen Charme zusammenzukehren, um ins Gespräch mit den ländlichen Pennälerinnen zu kommen, die auch mit am Tisch sitzen durften. Doch die verwunderten sich sichtlich, warum jemand im Alter ihrer Väter ein Gespräch mit ihnen anfangen wollte und schwiegen beharrlich.

Eine andere Künstlerin saß Fotokünstler F. gegenüber und benahm sich immer merkwürdiger. Offensichtlich war sie die Lebensabschnittsgefährtin eines lautstark lamentierenden Bildhauers, der mit Pferdeschwanz und Indianerlook die schlechte Organisation der Ausstellung kritisierte. Es schien, als habe er der Dame seines Herzens eine gehörige Portion illegaler Drogen verabreicht, denn dieses wurde stets hysterischer und brach später hilflos weinend auf der Treppe des Gymnasiums zusammen. Wen wundert es, dass man schnellstmöglich die Gelegenheit zur Flucht nutze. Draußen noch ein nettes Gespräch mit Künstlerin und Diplom-Biologin Dr. B. geführt und dann fröhlich in die Heimat gereist. Ein gelungener Tag, wie alle fanden.

Ausstellung mit Fotokünstler F.
Adieu, du schöne Abteikirche, direkt neben den Ausstellungshallen.
13.8.06 23:56


Journalist F. enthüllt Irgendlinks Vergangenheit

Ja, es ist einfach herrlich, nicht nur Journalist, sondern auch Künstler zu sein. Da kommt man auch zu überraschenden Ausflügen in die Landeshauptstadt M., wie anlässlich der Mitgliederversammlung des illustren Kunstvereins, bei dem Journalist F. bekanntermaßen seine erste Ausstellung absolvieren durfte. Mit dabei natürlich Künstler Irgendlink, der praktisch zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört. Hier die spannende Fotostory des Abends:

Galerie
Dank unglaublicher Intuition von Fahrer F., entgegen dem Rat von Künstler Irgendlink und durch die selbstlose Hilfe von Galerist Q. ergatterte das Journalistenmobil einen genialen Parkplatz, direkt vor der Eingangstür zur Galerie.

Galerie
Es herrschte große Spannung in den Tiefen des Kellergewölbes, in dem man sich zu einem wahrhaft konspirativen Treffen zusammengefunden hatte. Die beiden Flaschen mit Gerstesaft auf dem Tisch dienten übrigens nur der künstlerischen Inspiration. Modelle für ein Stillleben gewissermaßen.

Galerie
"Tja, dann lasst uns mal anfangen!" beschied Schmuckkünstlerin R. "Aber dass ihr's wisst: ich sage kein Wort mehr heute Abend! Also, Punkt eins der Tagesordnung: Begrüßung. Ist erledigt. Alles notiert, Herr Protokollführer Q?".

Galerie
"Reicht es, wenn ich es in sooo großen Buchstaben aufschreibe?" fragte eifrig Galerist Q., der das Protokoll führte und der Sitzungspräsidentin R. jeden Wunsch von den Augen abzulesen vermochte.

Galerie
"Also, TOP zwo: Weihnachtsgeschenke. Bei der Weihnachtsfeier bringt jeder ein Geschenk für den anderen mit. Und die werden dann gewichtelt. Das heißt, getauscht und jeder bekommt irgendwas. Noch Fragen?" Künstlerin R. wollte zum nächsten Punkt weitergehen, doch da regte sich großer Protest.

Galerie
"Nein, keine Wichtelgeschenke!" Galerist Q. wurde heftig. "Ich bekomme nämlich immer die schrecklichsten Sachen".

Galerie
Jetzt wurde die Stimmung lebhaft. "Q. hat Recht. Keine Geschenke!" "Doch, ohne Geschenke gibt es kein Weihnachten und der Nikolaus bleibt brav zu Haus!" "Ich will einen Teddybär! In rosa!" "Ein Vorschlag zur Güte!" wusste Künstler Irgendlink die Situation zu beruhigen. "Niemand bekommt ein Geschenk, nur Galerist Q. Dafür aber ein ganz großes. Als Ausgleich für die Vergangenheit!"

Galerie
Keine Geschenke? Ein Erschrecken stand plötzlich im Raum. Auch bei Fotokünstlerin K., die ihr Erstaunen kaum verbergen konnte.

Galerie
Eine ganze Zeit herrschte betretenes Schweigen.

Galerie
Endlich wurde die Stille unterbrochen: "Wenn es kein Geschenk für mich gibt, bleibe ich zu Hause und bin beleidigt" Die Stimme von Schmuckkünstlerin R. klang bedrohlich. Niemand wagte zu widersprechen, also sie mit strenger Stimme verkündete: "Nächster Tagesordnungspunkt. Das Erlebniswochenende im Nachbarstädtchen Z. Wie ihr alle wisst, hat uns ein gewisser Frankendlink für zwei Tage in sein Labor eingeladen. Das Motto des Kunstworkshops soll lauten: 'Ich mach den Versuch, ihr seid die Kaninchen!' Gibt es Widerrede?"

Galerie
"Wochenende bei Frankendlink… Ist notiert!" verkündete stolz Galerist Q. "Ganz wie in alten Zeiten!" "Ja, als wir unser Geld noch mit Koksverkauf verdienten!" ergänzte mit beseligter Mine Künstler Irgendlink. Betretenes Schweigen war die Folge dieser Enthüllung. Wer hätte gedacht, dass sich dieser begnadete Künstler und geheime Wissenschaftler in seiner Jugend als Brennstoffverkäufer seinen kargen Lebensunterhalt verdient hat?

Galerie
"Ach, das waren noch Zeiten!" schwärmte Galerist Q. "Da wurde echte Kunst noch mit echter D-Mark bezahlt!" "Seit wann hat jemals jemand hier im Raum Geld mit seiner Kunst verdient?" wollte neugierig Künstler S. wissen.

Galerie
"Schließlich war und ist die Kunst brotlos. Daher gibt es hier auch nur Chips und Kuchen. Aber ein ganz anderes Thema. Wer mag an meinem Zeichenkurs nächste Woche teilnehmen?" Künstler S., der seltsame Pilze zur Ausstellung des Vereins beigetragen hatte und der daher nur auf Platz 46 von Journalist F.s Männerhitliste kommen konnte.

Galerie
"Prima, da können wir Aktmalerei machen!" Galerist Q. schlug vor Vergnügen mit dem Stift auf das Schreibbrett. "Aber nur, wenn ich nicht Modell stehen muss!" verkündete Künstler S. "Ich habe noch eine Idee!" drang Irgendlinks Stimme in die Menge. "Wir stellen ein Andreaskreuz auf und fesseln das Modell daran! Das wird der erste sado-masochistische Zeichenkurs der Welt!".

Galerie
"Wenn ich da nur Modell hängen dürfte! Das wäre das schönste Weihnachtsgeschenk für mich!" dachte Galerist Q. in diesem Moment mit versonnener Mine.

Galerie
Während Künstler Irgendlink mit Unschuldsmine in die Menge blickte. Wer würde schon ahnen, dass hier das gefürchtete Duo Dr. Irgend und Mr. Link in einer Person sitzt? Dass der schreckliche Wissenschaftler Frankendlink einst in diesem Raum seine ersten Experimente machte? Bis zur nächsten Sitzung wird es weitere Enthüllungen geben. Das verspricht Journalist F. mit seiner ganzen Ehre.
15.11.05 00:05


Warum aus Journalist F. Künstler F. wurde

Irgendwann im Leben kommt der Moment, da muss man einfach etwas wagen. Beispielsweise, Künstler zu werden. Ein nicht ganz einfacher Entschluss, wenn man selbst jahrelang die Rolle des Kritikers und Förderers von Künstlern übernommen hat.

In dieser Rolle ist man mittendrin und doch ganz weit außerhalb. Ein ebenso gerne gesehener wie misstrauisch beäugter Gast am Rande des künstlerischen Geschehens. Doch um zu kritisieren, muss man verstehen. All die Kreativität nachvollziehen, die einem auf Bühne und Galeriewand begegnet.

Wen wundert es, wenn man sich eines Tages die Frage stellt, ob man nicht selbst zu den Kreativen gehören könnte. Quasi die Rollen vertauscht. So ging es auch Journalist F. beim kritischen Betrachten der eigenen Fotos. Denn Fotografieren ist längst nicht mehr Mittel zum Zwecke der Dokumentation, sondern macht Spaß, weckt Ideen und bringt so neue Erkenntnisse.

Horrorköter
Künstler F. bei der Arbeit.

Beim Betrachten der Fotos keimte also eines Tages der Gedanke auf, dass manche Aufnahme mehr ist, als ein schönes Bild. Dass sie Gedanken und Gefühle weckt, die ein dokumentarischer Schnappschuss zu wecken nicht vermag. Das war der Moment, als Künstler F. geboren wurde. Der sich jetzt dem Urteil seiner Kritiker stellen muss.

So weit die offizielle Version, warum aus Journalist F. der Künstler F. geworden ist.

Die Wahrheit liegt tiefer und hat etwas mit Journalist F.s Lebensmotto zu tun: Glaube nie einem hehren Motiv, wenn sich auch ein niedrigeres findet.

So ist das Künstlersein auch ein wenig Rache für erlittene Qual im Laufe von zwölf Jahren. Denn die Begegnung mit Künstlern – und besonders den weiblichen Vertretern der Zunft – gestaltet sich nicht immer angenehm. Ausnahmen bestätigen die Regel. Künstler Irgendlink zum Beispiel ist fast gar nicht kapriziös.

Grundsätzlich kann man Künstler beiderlei Geschlechts in zwei Gruppen aufteilen. Zum einen die ernsthaften, begabten Exemplare, bei denen die Männer überwiegen. Zum anderen die Hobbykünstler, wobei es hier deutlich mehr Damen als Herren gibt. Erstere Gruppe bleibt bei Vernissagen höchst majestätisch im Hintergrund und gibt persönliche Audienzen auf Antrag in dreifacher Ausfertigung. Auch die Hobbymaler halten Hof, sind allerdings wesentlich mitteilsamer, wenn es um Journalisten geht. "Wissen Sie," sagte einst eine heftig aquarellierende Dame zu Journalist F., "wissen Sie, ich habe ja soooo schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht. Die schicken ja immer Leute, die gar keine Ahnung von Kunst haben. Ich würde ja am liebsten verbieten, über mich zu schreiben!" Die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs bemerken sicherlich mit Scharfsinn, das solch diplomatisches Geschick in den meisten Fällen Früchte trägt und das Vorurteil über Journalisten praktisch bestätigen wird.

Hobbykünstler sind die eigentlich Plage der Erde. Seit in jedem Kramladen Ausstellungen stattfinden, seit die Foyers der Banken und Sparkassen mit schlechter Kunst überladen sind, schießen die Kreativen wie Pilze aus dem Boden. Es scheint, je mehr Möglichkeiten der Selbstdarstellung man bietet, desto zahlreicher werden die Menschen, die solcherlei Raum begehren. Männliche Hobbykünstler sind meist älteren Semesters, Pädagogen jenseits des Rentenalters, die mehr oder weniger gegenständliche Landschaften auf die Leinwand bringen. Stolz wie ein Pfau stolzieren sie durch die Vernissagen, salbadern huldvoll ihre Anhänger voll und wachsen pro Stunde um mindestens einen Zentimeter. Ihre weiblichen Pendants sind ebenfalls meist ältlich und haben zum Abitur der Tochter einen Kurs in der Sommerakademie geschenkt bekommen. Dort wurden sie im Turbotempo zur Künstlerin gemacht, und strömen anschließend, vorzugsweise als Aquarellmalerin oder Raku-Keramikerin, in die Welt der Kunst. Doch das alleine reicht meistens nicht, um Ersatz für den Gatten zu bieten, dessen Begehrlichkeiten sich längst jüngeren, gebärfreudig wirkenden Damen zugewandt hat. Daher sind Esoterik und Tanz die weiteren Standbeine der Selbstverwirklichung.

Kein Wunder, wenn ganze Bildreihen Titel wie "Tanz im Feuer", "Tanz des Glücks", "Tanz der Erkenntnis", "Tanz der meuchelnden Gattenmörderinnen" heißen. Oder "Blick ins Licht", "Kristall der Erkenntnis", "Feuermeditation" oder "Vodoozauberinnen beim Gattenmord". Wehe, ein solch frustriertes Exemplar Mensch entdeckt einen Journalisten. Das Ergebnis: siehe oben.

Daher wurde Journalist F. jetzt mit diebischer Freude selbst zum (Hobby-)Künstler. Jetzt kann er endlich kapriziöse Launen auslassen, hysterische Anfälle von Kreativität erleiden und damit all seine Mitmenschen quälen. Toll, es macht richtig Spaß! Journalist F. freut sich schon auf viele weitere Ausstellungseröffnungen mit seinen Bildern.
5.11.05 15:10


Journalist F. tanzt den Tee und stellt aus

Was für ein Tag! Zunächst drei Stunden am Nachmittag in der Stadthalle des Städtchens S. verbracht. Dort war Tanztee angesagt. Ein so genanntes Salonorchester fiedelte muntere Melodien, zu denen Paare, ausschließlich ebenso heterosexuelle wie ältliche, exorbitante Tanzschritte wagten. Warum jemand beschlossen hatte, dass man die Titel auch noch von der Bühne herunter ansagen musste, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wie auch immer, man hatte Journalist F. gefragt, ob er diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen wolle und in einer Mischung aus Nicht-Zuhören und Wahnsinn sagte er leichtfertig zu.

Nach dem großen Bühnenmarathon, bei dem die Zuhörer viel Unsinniges über Komponisten und alte Zeiten aus dem Journalistenmund erfahren durften, ging die Reise endlich in die Landeshauptstadt M., wo man bei der Vernissage zur Mitgliederausstellung des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße schon ungeduldig der Ankunft des zum Künstler mutierten Journalisten F. harrte. Das Handynavigationssystem, aktuell aufgerüstet mit den Stimmen von Erkan & Stefan, leitete sicher mit Sprüchen wie "Is doch krass asozial, so lange Geradeausstrecken, oder!", "Jetzt krass nach links in die Straße donnern!" oder "Jetzt sofort mit Gewichtsverlagerung nach rechts abbiegen, Alter!" sicher in die Altstadt der Landeshauptstadt M.

Dort waren die Feierlichkeiten aus Anlass der ersten Kunstausstellung von Journalist F. schon voll im Gange. Eine fotografische Dokumentation berichtet über den ersten Abschnitt des Abends.

Vogelgrippe
Gleich bei der Ankunft erwische Journalist F. zwei prominente Gestalten der Kunstszene bei einem konspirativen Austausch. "Hier, ich habe Hühnerfedern mitgebracht. Garantiert mit dem Alien-Virus versehen, von Wissenschaftler Frankendlink!" berichtete Künstler Irgendlink dem begeisterten Galeristen Q. Zuvor hatte sich WG-Bewohnerin C., links im Bild, begeistert Künstler Irgendlink in die Arme geworfen: "Ohhh, mein Geliepter!" hauchte sie mit unverkennbar osteuropäischem Akzent, wie man ihn nur aus James-Bond-Filmen kennt. "Endlisch bist du wiederr hierr und kannst mich machen glicklich!"

Das soll Kunst sein?
Von befremdlichem Kopfschütteln…

Wir mögen solche Kunst nicht!
… bis zur demonstrativ gezeigten Ablehnung reichte die Reaktion auf die Kunst des neugeborenen Künstlers F.

Zwei Euro
Hier der Beweis, dass man von Kunst durchaus reich werden kann. Künstler B., maßgeblich im Vorstand des Kunstvereins tätig, sammelt die ersten Einnahmen des Tages ein. Jeder Millionär hat mal klein angefangen, sagt man.

Die Galerie war schön, die Getränke gefragt und eine Menge Leute waren gekommen, um dem unvergleichlichen Event beizuwohnen. Doch das Feiern hatte bald ein Ende. Denn aus Gründen des Lärmschutzes müssen alle Veranstaltungen im Gewölbekeller eines Wohnhauskomplexes punkt 22 Uhr beendet sein. Sonst macht nicht nur der ebenso originelle wie seiner traditionellen Rolle überaus bewusste Hausmeister Terror ohne Ende. Aber was wären Künstler, wenn sie nicht sofort eine kreative Alternative wüssten? So ging es denn in eine nur wenige Hundert Meter entfernte Lokalität, direkt neben dem exklusiven Hilton-Hotel.

Doch es war nicht die Hotelbar, in der uns sicherlich nur gelangweilte Yuppies erwartet hätten. Nein, vielmehr eine Art heilige Stätte für Journalist F. Denn das Mainzer Unterhaus gehört zu den Epizentren der deutschen Kleinkunstszene. Und justament dorthin führte der Weg der Künstler, Galeristen und ihrer Bewunderer.

Fotografin K.
Es kann gar nicht feucht-fröhlich genug sein, dass Künstler ihre Arbeit vergessen. Hier sieht man Fotografin K. beim investigativen Kunst-Machen. Neben ihr im Vordergrund, vorerst nur von hinten, ihr Lieblingsmodel C.

Wo ist der Film?
"Ja, wo ist denn da nur der Film drin?" fragte sich Fotokünstlerin K., die sich das harmonische Miteinander von Kunst und Technik auf die Fahnen geschrieben hat. Erstaunt dabei Galerist Q. und, endlich von vorne, Lieblingsmodel C.

Au Backe!
"Au Backe!" ruft Künstlerin D. beim Anblick der neuesten Arbeiten von Künstler Irgendlink, der aus Versehen eine fotografische Dokumentation der neuesten Experimente von Wissenschaftler Frankendlink aus der Tasche gezogen hatte.

Journalist F. genoss das Ereignis sichtlich. Und beschränkte sich bei dem sinnlichen Vergnügen nicht nur auf die Kunst, sondern stellte eine Hitparade der anwesenden Männer auf. Sie soll den geneigten Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs nicht vorenthalten werden.

Busenbildhauer
Künstler S. Putzig und lieb. Doch leider erörterte er zu intensiv, dass seine Pilzobjekte Abgüsse sekundärer weiblicher Geschlechtsmerkmale sind. Daher reicht es nur zu Platz 46.

El Presidente
Künstler B. ist als Präsident des rührigen Kunstvereins sakrosankt und entzieht sich somit jeder Bewertung.

Irgendlink
Auch Künstler Irgendlink, allgemein von Journalist F. stets in die Top-Männerhitpardenplätze gewählt, steht bei dieser Wertung außen vor, um den anderen nicht die Chancen auf die besten Ränge zu rauben.

Tattoos und Pheromone
Besucher X. kommt ganz weit nach vorne. Rote Haare, bodygebuildete Oberarme, komplexe, künstlerisch nicht wirklich wertvolle Tattoos auf dem Bizeps und auch als Gesamtkunstwerk sehenswert: Platz 2, die Silbermedaille des Abends!

Galerist Q.
Galerist Q. entspricht vielleicht nicht dem gängigen Schönheitsideal, strahlte an diesem Abend aber dennoch erotische Lebensfreude aus. Leider schon von Künstler Dr. T. reserviert, falls er es sich doch noch einmal überlegen sollte, dem heterosexuellen Lebenskonzept ein Ende zu setzen. Daher reicht es nur für Platz 3. Im Hintergrund das vierte Werk aus der Kamera von Fotokünstler F.

Gewinnermodel C.
Unangefochtener Sieger des Männerwettbewerbs anlässlich der Vernissage des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße: Lieblingsmodel C. Gut aussehend, doch nicht eitel. Strahlend blaue Augen, ein interessantes Gesicht. Dazu noch ein interessanter Gesprächspartner mit Humor und gutem Geschmack. Herzlichen Glückwunsch!

Je später der Abend, desto interessanter wurden die Diskussionen an den Tischen im Unterhaus. Währenddessen betrachtete Journalist F. die Plakate an den Wänden, die das aktuelle Programm des Kleinkunstempels dokumentieren. Mindestens die Hälfte davon hat er schon live auf der Bühne gesehen, ein weiteres Viertel kennt er von Videobändern. Beachtlich. Irgendwann tauchte auch noch Comedian C. auf, der an einem der hinteren Tische zusammen mit zwei Begleitern Platz nahm. C. ist auch schon im Städtchen S. aufgetreten, betreut von Kulturorganisator F., der jetzt in seiner Eigenschaft als Künstler F. anwesend war. Wenn es hier irgendwann einmal eine Lesung mit dem weltberühmten Autor F. geben wird, ist die Schizophrenie der menschlichen Existenz perfekt.

Keine Autogramme
"Nein, Künstler Irgendlink gibt heute keine Autogramme. Aber Sie können sich gerne als Proband für die Experimente von Wissenschaftler Frankendlink zur Verfügung stellen" managte Galerist Q.

Beleidigt
"Den wären wir los!" verkündete Galerist Q. stolz, während Künstler Irgendlink tief getroffen war über den Verlust eines Fans seiner Kunst.

Ganz zum Schluss, die Uhr zeigte schon mehr als eine Stunde nach Mitternacht, begab sich Journalist F. auf den beschwerlichen Weg zum Journalistenfahrzeug, in dem schon Erkan und Stefan warteten. Begleitet wurde er von zwei Bodyguards.

No Paparazzi
Erfolgreich konnten die Bodyguards Irgendlink und Q. die zahlreichen Paparazzis verscheuchen, die den Weg von Künstler F. säumten.

Kartoffelsald rocks
Lutenblag ist überall, auch in der Landeshauptstadt M. "Kartoffelsalad rocks" – ein Motto, das für die Zukunft viel verspricht.
31.10.05 13:21





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