Die geheimen Tagebücher des Journalisten F.
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Kultur

Journalist F. trifft Renate

Manchmal sind Veranstaltungen nicht wegen des Bühnenprogramms spannend, sondern wegen des illustren Publikums, das man da so trifft. Beispielsweise Renate. Noch während Journalist F. im sommerlichen Rosengarten beim musikalischen Picknick vor sich hin döste, sah er aus den Augenwinkeln plötzlich das Unheil in Form einer korpulenten, ältlichen Dame mit quietschegrünem Plastikkorb auf sich zusteuern. Mit den Worten „Ahhhhhh, hier ist Sonne!“ breitete sie sich auch ebenso flugs wie lautstark zwei Plätze neben dem fleißigen Zeitungsschreiber aus. Das wird jetzt ein Problem, ahnte Journalist F. und er sollte Recht behalten.

Alle lieben Renate
Sängerin L. gab ihr Bestes. Renate wollte es hautnah erleben, doch es kamen immer wieder unvermeidliche Schicksalsschläge dazwischen.

Denn nur wenige Sekunden, nachdem die zu diesem Zeitpunkt noch namenlose Dame umständlich Platz genommen hatte, sprang sie erstaunlich behände von ihrem Stuhl, um „Huhu!, hier bin ich!“ zu brüllen und gleichzeitig gefährlich mit den Armen zu schwenken. „Ich bin hier in die Sonne gegangen!“ erklärte sie einer Gruppe höchst skurriler Menschen, die hinter der Freilichtbühne vorbei schlenderten. „Hallo, Renate!“ tönte es von dort zurück und somit hatte das Grauen einen Namen bekommen. „Komm doch hierher zu uns!“ lockten die Freunde, doch Renates Argumenten konnte keiner widersprechen: „Aber ich will das hier doch hautnah erleben!“

Alle lieben Renate
Das Publikum hörte aufmerksam zu. Außer Renate und ihrem Fanklub.

Vehement musste sich Renate jetzt an Journalist F. vorbeidrängen, um die lieben Bekannten auch persönlich zu begrüßen. „Wir haben seit einer Stunde im Schatten gesessen!“ erklärte sie, während sie an den Rand der Sitzreihen zusteuerte. „Ich habe mich schon ganz eingemummelt!“ „Ja, es ist wirklich kalt hier!“ kam die Antwort „Das nächste Mal nehmen wir unsere Daunenjacken mit!“ In diesem Moment unterbrach Sängerin L. ihr Programm, um Pause zu machen und Journalist F. hatte endlich Gelegenheit, die Gruppe von Renates Freunden näher zu begutachten. Zwei Frauen und ein dünnes, altes Männchen standen da. Alle mit großen Strohhüten, wohl Souvenirs aus dem letzten Mallorca-Urlaub und eher schriller Freizeitkleidung. Mittendrin zwei pudelähnliche Hundewesen, die den Beweis erbrachten, dass Frauchen und Herrchen im Laufe der Zeit immer mehr ihren Vierbeinern gleichen.

Alle lieben Renate
Die illustre Picknickgruppe rund um Renate, die unschwer am grünen Plastikkorb zu erkennen ist.

Journalist F. nutzte die Pause, sich ein ruhiges Plätzchen inmitten von Holunderbüschen und Rosenbeeten zu suchen. Doch irgendwann setzen Sängerin L. und ihre Musiker wieder zum fröhlichen Spiel an und die Rückkehr zur Bühne war unvermeidlich. Dort hatte Renate neue Bekannte entdeckt und wirkte höchst verärgert, dass sie jetzt wieder zurück zum hautnahen Musikerlebnis sollte. Die Lösung war einfach, man setzte sich einfach auf die nahen Stühle und plauderte trotz des musikalischen Vortrags ebenso munter wie laut weiter. Mittlerweile hatte sich auch der Gatte von Renate hinzugesellt. Während die Gruppe laut und vornehm lachte, kommentierte er mit Worten wie „Da muss ich noch ein Glas Champagner trinken!“. Tatsächlich, der Schaumwein floss in Strömen. Nur eine Frage blieb an diesem Nachmittag offen: warum trugen weder Renate noch ihr Gatte einen Sonnenhut?
21.7.08 00:43


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Journalist F. jazzt weiter

Wie die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs sicherlich bemerkt haben, ist der Bericht zum Jazzfestival im Städtchen S. noch lange nicht zu ende. Denn nach dem fulminanten Auftakt folgten noch weitere vier Tage voller Töne und Skandale. Mit dabei natürlich immer Künstler Irgendlink, der mit großem Talent auch die wildesten Musiker in Schach halten konnte.

Das Leben ist Jazz
Erfreulich unauffällig: die Big Band aus F.

Was gar nicht so einfach war. Denn nach einem eher ereignisarmen Auftritt der Bigband aus der Bankenmetropole F. sollte es am folgenden Tag einen angemessenen Ausgleich für die reibungslose Ruhe geben. Denn eine Truppe, die man direkt aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten eingeflogen hatte, sorgte im ganzen Städtchen S. für Furore und Aufregung. Zumindest das freundliche Personal im Hotel G. war stets mit den deutlich durch Starallüren gekennzeichneten Musikanten beschäftigt. Zunächst suchte man nach einem Arzt, der sich dann allerdings als zu teuer herausstellte. Dann wollte man in die Apotheke, die aber keine Dollars annehmen wollte. Drei Banken besuchte man, doch beim Auftauchen eines dunkelhäutigen, zugegeben nicht sonderlich vertrauenserweckend wirkenden Trios weigerte man sich aus Furcht vor Geldfälscherei beharrlich, gute, solide Euros gegen die zweifelhaften Scheine aus Übersee zu tauschen.

Das Leben ist Jazz
Machten dicke Backen: die Jazzvirtuosen aus Übersee.

Zwischenzeitlich erreichte Kulturorganisator F. der Anruf der Agentin H., Gattin eines prominenten Fabrikanten hochprozentiger Spiritousen. Obwohl die Gage längst per Überweisung auf dem Weg war, wollte man plötzlich doch einen Teil davon in Bar ausbezahlt bekommen. Wie immer Kulturorganisator F. dieses Wunder tatsächlich vollbrachte, soll an dieser Stelle ein Geheimnis bleiben. Nur so viel sei verraten, dass sich Agentin H. sicherlich aus Freude über den monetären Segen ein kleines oder auch größeres Fläschchen aus eigener Produktion genehmigte.

Das Leben ist Jazz
Ohne Schuh und ohne Höschen: die Sängerin aus dem hohen Norden schwitzte bei den tropischen Temperaturen in der Halle. Immerhin zeigte das Thermometer 15 Grad. Kulturorganisator F. kam aus anderen Gründen ins Schwitzen.

Wie auch immer, die illustren schwarzen Meister der Blue Notes stellten sich auch beim Konzert als überaus anspruchsvoll heraus. Man wollte die Kaviarbrötchen frisch haben und der Lachs durfte nur aus bestimmten Gewässern der nördlichen Meere importiert sein. Der Champagner sollte genau teperiert werden und die Sänftenträger vorsichtig zu Werke gehen. Wenn eine der bescheidenen Bedingungen nicht erfüllt wurde, gab es Prügel. Kein Wunder, dass man von Seiten der lustigen Musikanten auch keine Lust hatte, pünktlich zum Einsingen zu erscheinen. Nein, man wolle sich noch ausruhen. Und wo denn die gut aussehenden, nackten Masseurinnen blieben?

Das Leben ist Jazz
„Juchu, wir haben ihnen Erbsen in die Schuhe getan!“ freute sich das eigens für die Jazztruppe aus Übersee engagierte Helferteam, das den deutlich divaresken Blasmusikanten zu Diensten sein musste.

Endlich standen die Herren widerwillig auf der Bühne. Ein Gast erzählte begeistert, dass er den Pianisten vor kurzer Zeit im Fernsehen gesehen habe. Bei einem Bericht über die Slums von New Orleans. Da saß ein dem großen Star verblüffend ähnlich sehender Mensch mit seinem Keyboard auf der Straße und wartete, dass man Centmünzen in seinen Hut warf.

Das Leben ist Jazz
So sehen die fulminanten Konzerte der Truppe in ihrer Heimat aus.

Mit derlei lustigen Begebenheiten füllten sich die Tage des Festivals. Für Journalist F. eine Freude, für manch unermüdlichen Feierwilligen ein Skandal, dass es keinen Festivalclub gab. Dort spielten in der Vergangenheit die Musiker des Festivals noch ein paar Runden umsonst, während sich das voll alkoholisierte Publikum lautstark amüsierte. Nur Journalist F., weder durch Drogen noch durch Schnaps betäubt, musste das qualvolle Geschen bis in die Morgendämmerung über sich ergehen lassen. Wie auch immer, in diesem Jahr blieb das nächtliche Ritual aus.

Das Leben ist Jazz
Nicht jeder war traurig, dass der Festivalclub ausfiel. Andere wiederum wären gerne noch geblieben.

Am Ende der Festivaltage schließlich der Höhepunkt: Altjazzer K. gab sich die Ehre und eine unüberschaubare Menschenmenge strömte in die Halle. Dort waren die Stühle leider nicht ganz so aufgebaut, wie es hätte sein sollen und Kollegin S., die sich für diesen Teil des Festivals verantwortlich zeichnete, war leider überraschend von einem heimtückischen Virus befallen worden. Daher musste sich Kulturorganisator F. zusammen mit Künstler Irgendlink und einigen anderen, wenigen Kollegen der meuternden Menschenmenge stellen, die nicht auf Anhieb ihren Platz gefunden hatte. Es erstaunt immer wieder, dass selbst hoch gebildete Gymnasialpädagogen zu fluchenden Proleten werden, wenn es nicht sofort nach ihrem Willen geht. Worte wie „danke“ oder „bitte“ sind offensichtlich schon längst aus dem deutschen Sprachgebrauch gestrichen. Dadurch spart man schließlich eine ganze Menge Zeit.

Das Leben ist Jazz
Jazzlegende K. am Klavier. Sein Auftritt ließ selbst gefrorene Herzen schmelzen.

Wie auch immer, als schließlich Jazzlegende K. die Stimme erhob und „As time goes by“ und ähnliche herzzerreißende Lieder sang, war alles vergessen. Selbst die hartherzigsten Oberstudienräte weinten Tränen der Rührung und vergaßen, dass sie für diesen Abend viel Eintrittsgeld bezahlt hatten.

Das Leben ist Jazz
„Ende gut, alles gut! Prost!“ meinte Festivalleiter Dr. K. und bereitete im Geiste schon das nächste Festival vor.
17.4.08 12:24


Journalist F. erleidet den Kulturkollaps

Es gibt Termine, die kehren alle Jahre wieder. Weihnachten zum Beispiel. Aber das ist längst vorbei. Dafür stand gerade die Kleinkunstmesse im Schwarzwaldstädtchen F. wieder auf dem Programm. Dorthin reiste natürlich Journalist F. in seiner Eigenschaft als Kulturchef F. nebst Kollegin R. Ein bewährtes Team also. Grund für die viertägige Abenteuerdienstreise war wie immer der Fang von Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstlern für den aufregenden Wettbewerb, der im September wieder im Städtchen S. stattfinden wird.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Die Messehallen im Schwarzwaldstädtchen F. bei Nacht. Schließlich sind Künstler ja auch Wesen, die am liebsten im Dunkeln ihr düsteres Treiben absolvieren.

Tag eins begann mit der gemütlichen Fahrt im Journalistenfahrzeug in den Süden der Republik. Wie gewohnt erwartete die beiden fleißigen Messebeschicker strahlender Sonnenschein in F. nebst frühlingshaften Temperaturen. Ideal also, um den traditionellen Besuch im Möbelhaus I. durchzuführen. Das liegt nämlich ganz in der Nähe der Messehallen und bevor sich Kulturchef F. und Kollegin R. zum anstrengenden Standbaufbau begaben, stärkte man sich zunächst mit Elchgulasch und andern Leckereien aus dem Land Sch. Anschließend wurden die eingenommenen Kalorien durch den kilometerlangen Gang durch die herrlichen Abteilungen mit Geschirr und anderem Schnickschnack wieder abtrainiert. Wie auch immer, der Ausgang war irgendwann erreicht und man trat den Weg zur Messe an.

Dort herrscht natürlich reges Treiben. Denn nicht nur das Dreamteam aus dem Städtchen S. wollte seinen Stand aufbauen, sondern auch alle anderen, die zuhauf Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstler auf diesen größten Sklavenmarkt der Bühnenkunst mitgebracht hatten. Schnell stellte man jedoch betroffen fest, dass zahlreiche Zubehörteile der Standausstattung im Städtchen S. zurückgeblieben waren. Das hat schon Tradition. Ebenso wie die anschließende Rückkehr ins Möbelhaus I. Wieder einige hundert Meter vom hochhausartigen Parkgebäude zum Eingang, treppauf, treppab und dann ins Paradies für Konsumterroristen. Kaffeetassen in blau, das Stück für läppische 50 Cent erstanden Kollegin R. und Journalist F., zudem Duschgel in lila, Handcreme in rosa, eine Spülschüssel in weiß, eine Papierkorb von gleicher Farbe, sechs Kaffelöffel und ein beachtliches Glas, in dem später diverse Leckereien Platz finden sollten. Kaum waren die Schätze im Journalistenfahrzeug verstaut, ging es zurück ins Spezialitätenrestaurant, wo man sich an Kaffee und Kuchen gütlich tat. Den anschließenden Einkauf von Klebeband und anderen Utensilien will der Schreiber dieser Zeilen überspringen. Man landete schließlich im Hotel B., das sich im Lauf der vielen Jahre, die Journalist F. dort schon übernachtet, überhaupt nicht verändert hat. Dadurch ist ein gewisser nostalgischer Charme geblieben, der fatal an die späten 70er-Jahre erinnert. Zudem die Einrichtung in Eiche rustikal nebst dem passend gemusterten Teppichboden eindeutig sichtbare Spuren der Zeit aufweist. Trotzdem, es geht dort gemütlich und familiär zu und das Frühstücksbüffet am Morgen ist jeweils der Höhepunkt des Messetages.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Solch herrliche Gläser für Leckereien gab es im Möbelhaus I. Die Spezereien wurden gebraucht, im Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstler anzulocken, was auch mit viel Erfolg gelang

Gleich am nächsten Morgen wurde es dann erst mit dem Kleinkünstlerfang. Doch die Sache ging recht schleppend voran. Es herrschte zwar buntes Treiben in den Hallen, doch alles war noch unkoordiniert und chaotisch. Trotzdem: ein oder zwei umherirrende Kleinkünstler konnten geworben werden und ihre entsprechenden Steckbriefe warnderten in den Trophäenkorb von Kulturchef F. und Kollegin R.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Kollegin R. wartet auf Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstler. Doch nur wenige verirrten sich im Gewirr der Messestände.

Zum Glück wartete am Abend ein gar köstliches Mahl auf die beiden Standbetreiber. Denn es war erstmals Messeparty angesagt. Und für einen netten Abend nebst Speis und Trank musste man immerhin 35 Euro zahlen. Das konnte eigentlich nur kulinarischen Hochgenuss versprechen. Leider ahnte Kulturchef F. schon, dass hier mal wieder Freund Nepp am Werk sein würde. Denn für den recht stolzen Betrag von umgerechnet 70 alter Mark pro Nase wurde Salat, drei Sorten Suppe, einige undefinierbare Backwaren und fettes Schweinefleisch geboten. Kein Wunder, dass nur Wenige das Angebot annahmen. So war die Party doch eher ein Erfolg für die durchführende Eventagentur, die sicherlich den größten Teil des Salärs eingesteckt hatte. Immerhin, dafür hatte man von Seiten der rührigen Eventmanager diverse beleuchtete Theken aufgestellt und das Essen in unappetitlichem Rot angestrahlt. Das sorgte für mangelnden Appetit der Gäste und so wäre das eine prima Idee für das Programm von Journalist F.s Diätklübchen. Tauche deine ganze Wohnung in Rot und man sieht keine Falten mehr. Zudem purzeln die Pfunde, weil jede Nahrung irgendwie wie eine außerirdische Salmonellenfalle aussieht.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Wenig Hektik am ersten Messetag. Auch nicht beim großen Büffet, das am Abend großes Erstaunen hervorrief.

Der nächste Morgen brachte erschreckende Erkenntnisse. Reichte früher eine halbe Stunde zur morgentlichen Toilette, sind es mittlerweile 45 Minuten geworden, bis Journalist F. die Renovierung des Körpers so weit abgeschlossen hat, dass er sich gefahrlos in die Gesellschaft anderer Menschen begeben kann. Am Frühstückstisch im Hotel B. das gewohnte und geliebte Ritual. Es gibt natürlich Rühreier (Journalist F. käme zuhause in Bad G. nie auf die Idee, sich zum Frühstück Rühreier zu machen, obgleich, so sei versichert, er diesen Vorgang durchaus mit Leichtigkeit beherrscht. Kollegin R. hatte natürlich wie immer die geheimnisvolle blaue Plastikdose dabei – einst ein Geschenk einer wohl meinenden Krankenkasse – in die im Laufe des Frühstücks diverse Köstlichkeiten für die Nahrungsaufnahme im Laufe des langen Tages am Messestand wanderten. Wie auch immer, fast pünktlich erreichte man die Messe und gut gelaunt begann das Tagewerk.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Hurra, Chansonnier Sch. kam zu Besuch. Mit ihm Kleinkünstlerin H. und ein ebenso mürrischer wie unbekannter Kulturorganisator.

Natürlich kam auch netter Besuch an den Stand von Kollegin R. und Kulturchef F. Agentin K. zum Beispiel, die aus Kostengründen auf einen eigenen Stand verzichtet und lieber frei laufende Künstler einzufangen versucht. Oder Unterhaltungschefin E. vom lokalen Fernsehsender, mit der Kulturchef F. Pläne für die Zukunft der Kleinkunst im Städtchen S. schmiedete. Besonders freute sich Journalist F. natürlich über den Besuch von Chansonnier Sch., der mit Abstand auf Nummer eins der persönlichen Künstlerhitparade des fleißigen Kulturorganisators steht. Mit dabei natürlich auch Kleinkünstlerin H., die zusammen mit Chansonnier Sch. ein mitreißendes Bühnenprogramm entwickelt hatte.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Kollegin R. sichtlich ermattet.

Zehn Stunden Dienst am Stand können trotz netter Gäste ziemlich lang und anstrengend sein. Daher begab man sich zwischendurch auf Kleinkünstlereinkaufstour. Eingepackt wurde ein sprechender Elefant auf einem Dreirad und ein zaubernder Mandelbäcker, der seine Kunststücke vorführt und gleichzeitig unschuldige Kinder mit sündigem Naschwerk füttert. Die Eltern im Städtchen S. werden einen Sturm des Protestes auslösen, so viel ist jetzt schon sicher.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Dieser zaubernde Zuckerbäcker wird bald zu Gast im Städtchen S. sein.


Kleinkünstlersklavenmarkt
Irischer Gesang kann ganz schön anstrengend sein, besonders für die Zuhörer…

Ähnlich ging es am letzten Messetag weiter. Man sah schaurig schöne Dinge, hörte schaurig schrecklichen Gesang und zweifelte am geregelten Lauf der Welt. Irgendwie entstand der Eindruck: wer nichts wird, macht einfach auf Kleinkunst. Sicher, man tut mit dieser Einstellung sicherlich den ernsthaften Künstlerinnen und Künstlern Unrecht. Aber trotzdem sei diese Theorie provokant in den Raum gestellt.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Bunte Figuren – bestens geeignet, Kinder und Rentner zu erschrecken.

Viel zu schnell verging die Zeit und schon wurde es wieder Zeit für die Rückreise. Aber im nächsten Jahr will Journalist F. wieder zur Kleinkunstmesse kommen. Der Termin ist schon fest notiert!
28.1.08 23:43


Journalist F. schreitet zur Wahl

Alles muss seine Ordnung haben. Sogar beim Kunstverein im Nachbarstädtchen Z. Denn dort war der erste Vorsitzende seit mehreren Jahren im Zustand des Dauerbeleidigtseins und beschloss daher, sein gewichtiges Amt einfach niederzulegen. Als Nachfolger war Künstler Irgendlink auserkoren. Doch alles sollte ganz anders kommen, wie die nachfolgende Schilderung der dramatischen Ereignisse zeigt.

Wahlgetümmel
Pünktlich zum Nikolaustag wählte man bei den Kunstfreunden einen neuen Vorsitzenden. Das Wetter war kalt und nass, doch drinnen ging es heiß her.

Da natürlich jeder großes Interesse hatte, was der scheidende Vorsitzende T. wohl für ein Geschenk zum Abschied erhalten würde, war der Raum an diesem regnerischen Spätherbstabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Mühe erhielt Journalist F. noch in einer Ecke ein Plätzchen. Allerdings eines, wo er an die Köstlichkeiten, die auf den Tischen zum wohlfeilen Gebrauch der Anwesenden aufgebaut waren, nicht herankam. In der Menge konnte man Künstler Irgendlink entdecken, der allerdings gar keinen frohen Eindruck machte. Neben ihm der Noch-Vorsitzende T., dessen Augen deutlich vom steten Strom der Abschiedstränen benetzt waren.

Wahlgetümmel
Künstler Irgendlink (Mitte) wirkte verdächtig ruhig und betrübt. Bald würde sich der Grund dafür offenbaren.

„Liebste Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, verehrteste Pinseljünger und – jüngerinnen!“ setze der scheidende Vorsitzende T. seine Rede an. „Seit mehr als 70 Jahren bin ich jetzt Chef in diesem illustren Verein, voll von Freude und Farbe. Doch einmal kommt der Tag, da muss man Adieu sagen, da muss man tränenüberströmt Abschied nehmen von allen lieben Maltanten und Bildhaueronkeln!“ Die Anwesenden waren von solch gewaltigen Worten sichtlich beeindruckt und gerührt.

Wahlgetümmel
Die Rede von T. war mit zwei Stunden extrem kurz. Es wäre noch weiter gegangen, doch die Rührung übermannte den fleißigen Kunstorganisator.

Viele andere Mitgliederinnen und Mitglieder ergriffen das Wort an diesem Abend. Man dankt überschwänglich und die Lobesworte wollten kein Ende nehmen. Doch auch kritische Stimmen wurden laut: „Wo sind die Vereinsmillionen hin?“ wollte beispielsweise Schriftsteller O. wissen. Diese Frage wurde jedoch mehrheitlich als pietätlos von der Tagesordnung gestrichen. Doch Vorsitzender T. wollte ehrlich sein. „Wir haben alles in Rubbellose investiert!“ bekannte er der applaudierenden Menge.

Wahlgetümmel
„Eigentlich eine gute Idee, das mit den Rubbellosen!“.hörte man die Menge murmeln.

„Und wir haben sogar gewonnen: 20 Euro!“ strahlte Vorsitzender T. Dass man diesen Gewinn gleich in das Abschiedsgeschenk für die Gattin des Vorsitzenden investiert hatte, behielt Künstler Irgendlink in seiner Eigenschaft als zweiter Vorsitzender der Kunstfreunde im Nachbarstädtchen Z. für sich.

Wahlgetümmel
Dramatische Szenen bei der Übergabe der Blumen. Vorsitzendengattin T. wollte Künstler Irgendlink mit den Worten „Du bist mein Held und der Mann meiner Träume!“ heftig küssen, doch eine dornige Wand voller Blumen stand zwischen den Lippen des Paares.

Dann wollte man zur Wahl des neuen Vorsitzenden schreiten. „Hat jemand etwas dagegen, wenn das Künstler Irgendlink übernimmt?“ fragte Bürgermeister H. in die Menge? „Ich will aber gar nicht!“ rief der bekannte Künstler laut aus. Ein unheimliches Schweigen legte sich über die Versammlung. Hatte hier der grausame Wissenschaftler Frankendlink seine Hände im Spiel?

Wahlgetümmel
Bürgermeister H. konnte daraufhin die stürmische Menge kaum beruhigen.

„Aber ich will!“ ertönte es da aus einer Ecke, wo bislang der Kunsthistoriker H. auf seine Stunde gelauert hatte. „Ich habe zwar schon 35 Jahre keinen Mitgliedsbeitrag mehr bezahlt, aber das ist wohl kein wirkliches Hindernis, oder?“ fragte er siegessicher. „Doch!“ konnte Schriftsteller O. antworten.

Wahlgetümmel
Kniff in letzter Minute: Künstler Irgendlink. Dadurch geriet der Verein der Kunstfreunde im Nachbarstädtchen Z. in eine ernste Krise.

„Wenn ihr mich wählt, dann verspreche ich euch, dass Picasso persönlich den nächsten Malkurs leiten wird!“ trumpfte Kunsthistoriker E. auf. „Der ist doch schon lange tot!“ wusste eine Stimme aus der Menge einzuwerfen. „Ich bringe die Mona Lisa ins Nachbarstädtchen Z. und jeder darf sie anfassen!“ legte der Kandidat noch eins drauf. „Die haben wir alle schon gesehen!“ hieß es aus den Reihen der abgeklärten Kunstfreunde. Welches Argument sollte jetzt noch trumpfen?

Wahlgetümmel
„Wenn ich mich wählt, verspreche ich euch, dass ihr alle im Lotto gewinnen werdet!“ Mit diesem eidesstattlichen Versprechen von Kunsthistoriker E. hätte wohl niemand gerechnet.

Jetzt blieb den Kunstfreunden gar nichts anderes mehr übrig, als Kunsthistoriker E. zum neuen Vorsitzenden zu wählen. So endete der Abend mit eitel Freude und Sonnenschein. Journalist F. wird berichten, wie reich die Mitglieder des Vereins bald geworden sein werden.
16.12.07 14:17


Journalist F. erlebt einen turbulenten Wettbewerb

Unvermeidlich rückt zu Beginn des Monats September der Kleinkunstwettbewerb des Städtchens S. in den Mittelpunkt von Journalist F.s Tätigkeit. Eine Woche lang reisen dabei Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstler aus allen Teilen des Landes an, um ihre Vorstellungen eines unterhaltsamen Bühnenprogramms vor großem Publikum vorzustellen. Master of Ceremonies ist dabei Journalist F. in seiner Rolle als Kulturorganisator F. Dieses Mal war das Spektakel besonders anstrengend, denn just kurz vor Beginn der Feierlichkeiten stellte der Arzt bei Journalist F. die Diagnose einer akuten Nierenbeckenentzündung. So saß der fleißige Zeitungsschreiber noch 24 Stunden vor der lautstarken Eröffnung auf seinem Sofa, litt unter 39 Grad Fieber, Schüttelfrost und anderen, wenig erquicklichen Begleiterscheinungen einer Erkrankung, bei der die Fachwelt strenge Bettruhe empfiehlt.

Stress beim Festival
Zum Glück konnte sich Journalist F. zwischenzeitlich aufs Krankenlager begeben. Doch die Ruhe war nur kurz. Ständig rief man nach der Hilfe des fleißigen Kulturorganisators.

Doch wie heißt es im Volksmund so schön? The Show must weitergehen und so schleppte sich Journalist F. am nächsten Tag mit letzter Kraft ins Büro, um abschließende Vorbereitungen zu treffen, damit mehr als 900 Besucherinnen und Besucher einen netten Abend erleben konnten. Zum Glück ist Adrenalin ein prima Heilmittel, so dass kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch das Fieber sank und sich Journalist F. um seine zahlreichen Untergebenen und Helfer kümmern konnte, die eigens zur Durchführung der Festivaltage engagiert worden waren. Unter ihnen – wie kaum anders zu erwarten – auch Künstler Irgendlink, der sich trotz aller Raffinesse nicht vor den Arbeitsangeboten von Journalist F. verstecken kann. Also war statt Dolce Vita auf dem einsamen Gehöft, hoch über dem Nachbarstädtchen Z., nahe der Kreisstadt H. Künstlerbetreuung angesagt.

Stress beim Festival
Künstler Irgendlink gelingt nie die Flucht, wenn Journalist F. überraschend mit Fronarbeit droht. Hier bei einer Werbeaktion für den Kleinkunstwettbewerb im Städtchen S.

Und die war auch dringend notwendig. Denn immerhin zwölf Künstlerinnen, Künstler oder Künstlergruppen sollten an den vier Wettbewerbstagen das Büfett im Backstageraum plündern. Und sie alle hatten Techniker, Regisseure, Agenten, Assistenten, Lebensabschnittsgefährtinnen und ähnlich wichtiges Gefolge mitgebracht, auf dass man ihnen für den Auftritt auch kräftig die Daumen drücke. Da war zum Beispiel Comedian S. Der war nicht nur auf das Malerischste tätowiert, sondern hatte auch eine ebenso stumme wie gepiercte Freundin dabei, deren schwarz gefärbten Haare und dumpfer Blick die Zugehörigkeit zur Death Gothic-Szene vermuten ließen.

Stress beim Festival
Comedian S. auf der Bühne – mit mäßigem Erfolg. Allerdings hätte er den Preis für das schönste Tatoo erhalten, wenn es einen solchen gegeben hätte.

Stress beim Festival
Comedian S. später beim Abfeiern im Festivalklub mit gepiercter Lebensabschnittsgefährtin. Ein wahrhaft schönes Paar, dem man seine Heterosexualität gerne gönnt!

Stress beim Festival
Die Schauspielerinnen B. und K. hatten die Moderation der Abende übernommen. Ihr Vortrag polarisierte deutlich...

Der einzige offen homophile Teilnehmer war der singende Pianist des Chansonpaares R. & W. Sein Outing kurz vor Ende des eher beschaulichen Vortrags wäre allerdings kaum notwendig gewesen, denn seine sexuelle Orientierung war kaum zu übersehen und zu überhören. Wie auch immer, er unterhielt sich am Ende ganz nett mit Journalist F., nachdem er zuvor dessen herausragende Stellung beim Wettbewerb erfahren hatte. Davor schien er vom fleißigen Kulturorganisator keinerlei Notiz zu nehmen, sondern rauschte vielmehr mit abschätzigem Blick an diesem vorbei.

Stress beim Festival
Zumindest haben sich das Chansonpaar R. & W. bemüht, einen unterhaltsamen Vortrag auf die Bühne zu bringen. Doch Mühe alleine genügt eben nicht immer, wie schon die gute Clementine aus der Waschmittelwerbung einst wusste!

Viel schöner als alle Bühnenauftritte war jedoch der so genannte Festivalklub an den vier Wettbewerbstagen. Dort trafen sich Künstler und Publikum und Journalist F. durfte zum Talkmaster F. mutieren. Mit dabei seine reizende Assistentin E., eine junge Dame mit einer Spur zu viel Selbstbewusstsein. Nur mit Mühe konnte Journalist F. die Künstler davon überzeugen, dass nicht sie die gute Seele der Veranstaltung war, die alle Getränke bezahlte und am Schluss auch noch die Sieger bestimmen würde.

Stress beim Festival
Talkmaster F. und seine reizende Assistentin E., die sich gerne in die Rolle der Landplage begab. Gemeinsam quälten sie die Künstler mit peinlichen Fragen im Festivalklub.

Im Klub traf man dann die Künstler so, wie sie wirklich sind. Das heißt, kaum anders als auf der Bühne. Clown F. zum Beispiel, auf der Bühne völlig unscheinbar, zeigte sich im wahren Leben jedoch als reine Sahneschnitte. Durchtrainierter Körper, hübsches Gesicht, aber selbstverständlich total heterosexuell und sich seiner Wirkung auf schwache homophile Männer voll bewusst.

Stress beim Festival
Clown F. spielte nicht nur auf der Bühne die erste Geige!

Sängerin A. litt auch hinter der Bühne unter einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Das heißt, wenn sie gerade nicht beachtet wurde, tat sie alles, damit sich das änderte. Ansonsten redete sie ohne Punkt und Komma und beherrschte die seltene Gabe, niemals auf die Themen ihrer Gesprächspartner einzugehen. Stattdessen erfuhr man erstaunliche Anekdoten aus ihrem Leben. Mit dabei waren zwei ebenso hübsche wie langweilige Jünglinge, die Sängerin A. zum Zwecke des begleitenden Musizierens aus den neuen Bundesländern importiert hatte.

Stress beim Festival
Sängerin A. und ihre musikalischen Jünglinge auf der Bühne.

Stress beim Festival
Die beiden Jünglinge im Festivalklub. Hübsch, aber eben völlig langweilig. Leider steht zu befürchten, dass sich dies auch mit zunehmendem Alter kaum ändern wird.

Stress beim Festival
Kurz wurde auch Journalist F. zum Bühnenstar, als ihn die beiden Moderatorinnen B. und K. zu seinem Verhältnis zu Bundeskanzlerin M. befragten.

Stress beim Festival
Viel Lebensfreude aus dem Problemvierteln der Bundeshauptstadt B. brachte Vorlesekünstler K. mit ins Städtchen S. Im Gegenzug nahm er große Mengen Gerstensaft zu sich, der sein Heimweh erfolgreich bekämpfen half.

Sieger wurden am Ende die nette Sangestruppe W., die das Publikum zu seinen Favoriten wählte. Die Jury entschied sich hingegen für Nörgler T. und die exorbitante Sängerin A. Sicherlich eine interessante Wahl, die man bald auch im Fernsehen bewundern kann.

Stress beim Festival
Die lustigen Sangesburschen, gut gelaunt im Festivalklub. Noch ahnte niemand, dass sie bald den Preis in Händen halten würden!

Stress beim Festival
Nörgler T. hinter der Bühne. Auch ihn hätte niemand auf die Favoritenliste gesetzt. Doch seine Schilderung von Impotenz, grauem Star und sonstigen Altersgebrechen gefiel den Verantwortlichen, die wohl mit ähnlichen Problemen kämpfen, ausnehmend gut.
12.9.07 00:22


Journalist F. singt das Heidi-Lied

Manch Abenteuer durften die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs bislang an dieser Stelle lesen. Manch Gruseliges war dabei. Doch jüngst übertraf ein Auftrag, den Journalist F. von Kulturredakteurin D. bei der einen der beiden führenden Tageszeitungen im Nachbarstädtchen Z. alle Vorstellungen des Schreckens. Denn aus Anlass der alljährlichen Horrorfesttage in der Innenstadt hatte man das volkstümliche Schlagerduo G. und E. eingeladen. G. und E. hatten einst das Titellied zur unsäglichen japanischen Zeichentrickadaption des Alpenrührsellers „Heidi“ gesungen und sich damit weltweit unbeliebt gemacht. Und die sollte Journalist F. nun interviewen, damit die Leserinnen und Leser der einen der beiden führenden Tageszeitungen im Nachbarstädtchen Z. ebenso Exklusives wie Skandalöses aus dem Leben der beiden Schlageramseln erfahren konnten.

Das unglaubliche Schlagerduo
Viel Volk war unterwegs, um zum einen das Schlagerduo G. und E. zu sehen, vor allem aber, um sich dem unmäßigen Konsum alkoholischer Getränke hinzugeben.

Zum Glück konnte Journalist F. Künstler Irgendlink als Assistenten für diese verwegene Unternehmung gewinnen. Denn alleine ist die Gefahr einfach zu groß, der man sich als hilfloser Journalist bei einer solchen Gelegenheit aussetzen muss. Wie auch immer, als man auf dem Stadtfest im Nachbarstädtchen Z. ankam, sangen G. und E. bereits ebenso laut wie schrill.

Das unglaubliche Schlagerduo
Unüberhörbar sangen die beiden Sangesdrosseln ihr berühmtestes Lied: „Heiiiiidie, Heidiiiiiiiiiiiiiiiiiii – deine Wääääääält siiiiiind die Bääääääärgeeee!“

Doch das Volk war außer sich vor Freude. Egal, ob die beiden nicht mehr ganz taufrischen Damen von hohen Tannen, den Bergvagabunden, fehlender Verhütung oder von Heidi sangen, alle waren begeistert und klatschten frenetisch mit.

Das unglaubliche Schlagerduo
Nur kurz tanzte ein Herr auf dem Tisch. Dann wurde er von den unter ihm sitzenden Zuschauern gewaltsam zu Boden gedrückt. „Wir wollen auch was sehen!“ hieß es da aus den Kehlen der amoklaufenden Rentnerschar.

Schließlich war es so weit und der doppelte Schrecken hatte ein Ende. Journalist F. begab sich mit wichtiger Miene zum Backstagezelt und verhandelte intensiv mit dem Manager der beiden singenden Damen. Schließlich wurde man sich einig und man versprach, die Interviewpartnerinnen schnellstmöglich herbeizuholen.

Das unglaubliche Schlagerduo
„Also, normalerweise mache ich das nicht unter 1000 Euro!“ verkündete der volkstümelnde Manager Journalist F., der hier gerade nach seinen letzten Geldvorräten sucht. (Foto: Irgendlink)

Doch zuvor waren die Damen beschäftigt. Sie mussten Autogrammkarten verteilen, mit netten Fans vor die Kamera treten. Lachen und Jubilieren. Journalist F. wartete derweil geduldig, während auf der Bühne der nächste Horrorauftritt stattfand.

Das unglaubliche Schlagerduo
Ganz entzückt war man im Nachbarstädtchen Z. vom volkstümelnden Duo G. und E., das vor 30 Jahren seinen ersten und einzigen Hit gelandet hatte, an den man sich heute noch erinnert.

Das unglaubliche Schlagerduo
Dann verschwanden die beiden Damen im Umkleidezelt. Journalist F. durfte Hoffnung schöpfen, dass die dritte Stunde des Wartens nicht ganz verrinnen würde.

Das unglaubliche Schlagerduo
Derweil sang ein ebenso unbekannter wie untalentierter Volksmusikant von Gruppensex im Untermoos und vom Orgientreffen der feschen Stallknechte.

Endlich kamen die Damen in Zivilkleidung zurück und erzählten unglaubliche Dinge. Warum sie ein Lied für den Papst geschrieben haben, warum der sich trotzdem immer noch weigert, die entsprechende CD zu kaufen. Warum singen so gut für Leib und Seele ist und ähnlich weltbewegende Dinge aus der Philosophie der Schlagerwelt. Journalist F. nahm alles auf Band auf, um am nächsten Tag eine spannende Geschichte für die Tageszeitungsleser zu schreiben.

So konnten Künstler Irgendlink und Journalist F. auf geheimen Wegen schnell zum einsamen Gehöft, hoch über dem Nachbarstädtchen Z., nahe der Kreisstadt H. flüchten, wo das Katzerl schon sehnsüchtig auf die nächste Lieferung von Luxuskatzenfutter wartete. Und die Moral von der Geschichte? Warum müssen die Fotos auf Autogrammkarten immer mindestens 20 Jahre alt sein?

Das unglaubliche Schlagerduo
Journalist F. erhielt sogar ein Originalautogramm der beiden Heidi-Interpretinnen.
1.8.07 01:08


Journalist F. barockt bergauf und bergab

Barock ist in der Region ums Nachbarstädtchen Z. gerade sehr modern geworden. Überall barockt es und ein findiger Bäcker hat sogar ein Brot nach altem Rezept erfunden. Mit Schuld an der ganzen Sache ist Copykünstler F., der sich zum Ziel gesetzt hat, überall auf der Welt auch den letzten barocken Krümel aus der Erde zu graben. Derzeit ist die Kreisstadt H. sein bevorzugtes Operationsgebiet. Und dort hatte er sich jüngst mit Kaffeehändler S. zusammengetan, um ebenso unwissende wie ahnungslose Menschen auf eine Tour de Force durch die bekanntermaßen recht hügelige Altstadt in H. zu jagen.

Barocke Tour de Force
Tatsächlich, man hatte ein Kaffeezelt auf dem Marktplatz der Kreisstadt H. aufgebaut. Allerdings vermisste Journalist F. ebenso Barockexperte F. als auch den Begrüßungsteller mit den versprochenen barocken Köstlichkeiten, mit denen man den fleißigen Reporter überhaupt erst zu diesem rätselhaften Event gelockt hatte.

Keine Frage, dass das Schicksal auch irgendwann einmal Journalist F. treffen würde, der als rasender Reporter zum barocken Event abkommandiert wurde. Redakteurin D. wies für diesen Auftrag jede Verantwortung von sich und überließ selbige der armen Ersatzredakteurin M., die ahnungslos dem Vorhaben zustimmte. Tatsächlich, jüngst war es so weit und die abenteuerliche Barockrevue konnte beginnen.

Barocke Tour de Force
Eine ganze Stunde lang blieb Barockexperte F. verschwunden. Derweil versuchte sein Compagnon, Kaffeehändler S., die Stimmung im Zelt aufrecht zu halten. Richter E. aus dem Nachbarstädtchen Z., leicht an seiner schwedischen Uniform in Ikea-Farben zu erkennen, filmte die Szene für die Nachwelt als Beweis für eventuelle spätere juristische Auseinandersetzungen.

Barocke Tour de Force
Endlich kam Barockexperte F., hinter ihm eine Gruppe zerzauster, erschöpfter Menschen. Das waren die Teilnehmer des ersten Rundgangs, was Schlimmes für die Zukunft von Journalist F. erahnen ließ.

Barocke Tour de Force
Wer sich gerne verkleidet, schlüpft einfach ins Barockkostüm. So wie diese Herrschaften, die eigens zum Vergnügen und zur Beeindruckung von Journalist F. aus der fernen Festungsstadt S. angereist waren. Ob die Damen und Herren allerdings völlig authentisch gekleidet waren und unter Vermeidung von Wasser nur alle vier Wochen ihre Unterwäsche wechselten, blieb zum Glück uninvestigiert.

Barocke Tour de Force
„Jetzt geht’s los!“ – Barockexperte F. blies zum Aufbruch und erzählte gleich einige wundersame Geschichten. „Hier ist alles barock. Jeder Stein, auf dem Sie stehen, jedes Fenster, aus dem gerade wütende Gesichter auf uns herab blicken....“ begann sein ausführlicher Vortrag.

Barocke Tour de Force
„Ansonsten sieht die Kreisstadt H. genau aus wie die französische Hafenstadt Ch. Dort begrenzt das Meer die Mauern, hier war es einst der Bach E.“ Ob solcher Enthüllungen erntete Barockexperte F. höchst skeptische Blicke.

Barocke Tour de Force
„Verzeihet euro Gnaden, doch es steht noch unser Salär aus. Rücke er die versprochenen Taler raus!“ klopfte plötzlich ein ebenso resoluter wie kostümierter Herr auf den Tisch und unterbrach damit gerade den spannenden Vortrag über den Zusammenhang zwischen barocker Schuhmacherkunst und der Klerusreform im Jahre 1638.

Barocke Tour de Force
„Geld? Jetzt höret der Spaß aber auf. Entschwinde er aus meinen Augen!“ war die Antwort von Barockexperte F.

Barocke Tour de Force
Doch mit Verstärkung setzte sich der barocke Herr schließlich mit seiner Forderung durch. Denn neben seiner resoluten Marie-Antoinette brachte auch der Kutsch fahrende Richter E. in schmucker Ikea-Uniform massive Unterstützung.

Barocke Tour de Force
Dann ging’s endlich richtig los. Die meisten Teilnehmer waren zu Beginn noch voller Begeisterung. Journalist F. allerdings hatte aus langjähriger Erfahrung bei Ausflügen mit Barockexperte F. seine Bedenken über den weiteren Verlauf der Tour.

Barocke Tour de Force
Dabei erlebte man begeistert die ganz Schönheit der Kreisstadt H. Hier ein besonders gut erhaltenes Bauwerk aus dem Barock, das seit seiner Grundsteinlegung im Jahre 1682 kein Handwerker mehr berührt hat.

Barocke Tour de Force
Kunstvolle Schmiedearbeiten und eine gut gepflegte Bausubstanz sind die besonderen Merkmale der Altstadt in der Kreisstadt H.

Barocke Tour de Force
Manchmal musste die Gruppe allerdings den Schritt beschleunigen. Denn nicht alle Anwohner waren dem Touristenansturm in ihren Vorgärten wohl gesonnen. So waren Rufe wie „Dummschwätzer!“ noch die liebevollsten Kommentare. So half nur noch die Flucht, bevor man die Hunde loslassen und unappetitliche Flüssigkeiten aus den Fenstern über die Barockwanderer gießen konnte.

Barocke Tour de Force
„Und hier warten wir nun, bis die Geister der verstorbenen Mönche kommen!“ erzählte Barockexperte F. in der Ruine der ehemaligen Synagoge. Bevor das Gemäuer jedoch dazu werden konnte, war es ein Kloster, in dessen Keller man die verblichenen Mönche begrub. Die sollen heute noch um Mitternacht durch die Ruine geistern um den immer noch vergrabenen Klosterschatz zu bewachen.

Barocke Tour de Force
Ein weiteres Gebäude mit originalen Wandmalereien aus dem Hochbarock.

Barocke Tour de Force
Rechts ein Gebäude, auf dem die Jahreszahl 1970 zu lesen war. „Alles Fälschungen der Barockgegner der Kreisstadt H.!“ wusste Barockexperte F. zu berichten. „Das soll natürlich 1670 heißen!“

Barocke Tour de Force
Barockexperte F. schildert historische Zusammenhänge während die Teilnehmer des Rundganges nur Augen für den nackten Herren dunkler Hautfarbe hatten, der durch das hell erleuchtete, geöffnete Fenster zu sehen war. Kurze Zeit später flüchtete dieser Herr panikartig mit vier Frauen aus dem Gebäude. Sicher ist sicher.

Barocke Tour de Force
Natürlich kam es bei der Wanderung auch auf die barocken Details an. Hier eine Biene-Maja-Skulptur von 1712...

Barocke Tour de Force
... und da ein Rokkokofrosch von 1797.

Barocke Tour de Force
Nach zwei Stunden Wanderung im Dauerlauftempo waren einige Teilnehmer der Wanderung bereits vor Erschöpfung zusammengebrochen. „Nur nicht schlapp machen, das ist unbarock!“ feuerte Barockexperte F. die Gruppe an. „Habt Erbarmen mit uns, edler Herr!“ flehte die Menge. „Nix da, es geht weiter. Der Aufschwung will das so!“ war die gnadenlose Antwort.

Barocke Tour de Force
Schließlich war man nach sechsstündiger Wanderung am Ziel. Glücklich, nun jeden barocken Pflasterstein persönlich zu kennen, bedankten sich die Teilnehmer überschwänglich bei Barockexperte F. Leider waren bereits alle barocken Köstlichkeiten von marodierenden schwedischen und französischen Truppen vertilgt worden, so dass Journalist F. leer ausgehen musste.
21.7.07 11:08


Journalist F. fährt Auto

Der Deutschen liebstes Kind ist unzweifelhaft das Automobil. Auch Journalist F. hat ein solches, den geneigten Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs besser als Journalistenfahrzeug bekannt. Was man außer zu fahren sonst noch alles mit einem derartigen Gefährt anfangen kann, zeigte man unlängst im Nachbarstädtchen Z. Dort war ein obskures Musikerpaar aufgetaucht, um ein Konzert auf einem Auto der Marke O., Modell K., Baureihe E. zu absolvieren.

Autoaggression
Glänzender Lack, glückliche Besitzer. Ein Prachtexemplar von Gebrauchtwagen.

Dazu musste man eigens im Nachbarstädtchen Z. auf die Suche nach einem solchen Wagen gehen. Was nicht ganz leicht fiel, denn immerhin baut man bei O. das Modell E. schon seit rund 15 Jahren nicht mehr. Am Ende hatte man aber doch ein prächtiges Exemplar in glänzendem weißem Lack gefunden. Und auf dem begannen die beiden Künstler nun ihr klangvolles Werk.

Autoaggression
Schon bald jedoch zeigte sich das ältliche Automodell den Anforderungen des modernen Konzertbetriebs nicht mehr gewachsen.

Autoaggression
Eine Probefahrt ergab eine erschreckende Diagnose! Schrottreif, aber klangvoll.

Autoaggression
Im Rhythmus man mit muss. Auch wenn dazu brachiale Gewalt notwendig ist.

Autoaggression
Da halfen letztendlich auch keine Reparaturversuche, auch wenn sie noch so verzweifelt waren..

Autoaggression
Mystische Schauder durchliefen den Rücken des Publikums, als die Sinfonie der rohen Gewalt mit Funkenschlag ihrem Höhepunkt entgegen eilte.

Autoaggression
„Heiliger Opel Kadett E – du bist der beste Klangkörper, den man sich als Autozerstörer nur vorstellen kann!“ lauteten die rituellen Worte von Künstler R. kurz vor Vollendung seines Werkes.

Autoaggression
„So, das hat Spaß gemacht? Oder?“ fragten die glücklichen Künstler. Im Publikum sah man entsetzte Gesichter.

So vergingen knapp 90 Minuten wie im Flug. Und manch einer erkannte währenddessen, wie kreativ man doch mit einem Auto umgehen konnte. Journalist F. konnte leider nicht ermitteln, ob jemand im Anschluss an die Vorstellung dem Beispiel der Musiker gefolgt ist und sein eigenes Auto als Konzertmobil umfunktionierte. Nicht alles ist zu investigieren, das ist wohl ein Naturgesetz.
4.5.07 00:41


Journalist F. verbringt seine Zeit

Zweifellos geht das Leben rasant voran. Trotzdem hat Journalist F. manchmal den Eindruck, als wäre alles nur eine sinnlose Abfolge von noch überflüssigen Ereignissen. Stets ist etwas los und doch scheint das Leben still zu stehen. Wie auch immer, Journalist F. möchte es den geneigten Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs nicht vorenthalten, was an exorbitanten Erlebnissen im Journalistenleben vorfällt.

Das sind zum Beispiel die zahlreichen Veranstaltungen im Städtchen S., denen Journalist F. als Kulturorganisator F. vorstehen muss. Mehr als 800 Besucher strömten zu Politkabarettist P., der schonungslos die Wahrheit über die Welt offenbarte. Zugegeben, Journalist F. kann sich die an und für sich genialen Auftritte des Mittvierzigers nur in kleinen Dosen anhören. Sonst trifft ihn die Depression wie ein Donnerschlag. Trotzdem: den massenhaft auftretenden Zuschauern hat’s gefallen. Während Politkabarettist P., übrigens ein ganz großer Star im Kleinkunstgeschäft, sich hinter der Bühne als sympathischer, warmherziger Mensch erweist, erlebt man eine Woche später das krasse Gegenteil. Müßiggänger und freier Schauspieler T., mit dem Fotograf B. kürzlich am Telefon von einer Kollegin von Kulturorganisator F. verwechselt wurde, hatte nämlich schon vor dem Auftritt seinen großen Auftritt.

Kunstvertreib
Kabarettist P. in Aktion.

Und zwar am frühen Nachmittag im Büro des Menschen, der ihn freundlicherweise engagiert hatte. Was, nebenbei bemerkt, sonst weltweit niemand tut. Derart vermessenes Handeln muss natürlich bestraft werden, dachte sich Künstler T. und überhäufte den fleißigen Kulturorganisator mit einer üblen Schimpftirade. Nichts wäre so, wie abgesprochen. Nichts wäre vorbereitet. Die Bühne völlig unterdimensioniert, die Getränke nicht gekühlt und auch die Stadt wäre nirgends mit Plakaten der exorbitanten Abendveranstaltung gepflastert. Sprachs und rauschte mit erhobenem Haupt von dannen. Eilig rief man den hoch bezahlten Tontechniker herbei, machte umfangreiche Umbauten auf der Bühne und nach knapp einer Dreiviertelstunde war alles erledigt. Müßiggänger T. war hoch zufrieden und rauschte nach hause, um dort bei einem gemütlichen Schläfchen Kraft für den Abend zu tanken.

Kunstvertreib
Schauspieler T. beschwerte sich mit großer Geste.

Wie geht Kulturorganisator F. mit solch exorbitantem schlechten Benehmen, das übrigens auch der Qualität des Bühnenauftritts nahe kam, um? Normalerweise ist er ruhig und gelassen. Doch bei dieser Gelegenheit ging das kleine Teufelchen mit dem fleißigen Kulturarbeiter durch. Vielleicht könnte man es als Rache des kleinen Schweinchens bezeichnen, doch das ansonsten nach jedem Auftritt von Kulturorganisator F. finanzierte Entern des Schnitzelbüffets fiel dieses Mal aus. Was Künstler T. sehr verblüffte, denn jetzt war er dank eines hervorragend mit Publikum gefüllten Saals, diverser belegter Brote, die man Backstage verzehren durfte und anderer Annehmlichkeiten wieder bester Stimmung. Tja, Pech gehabt. Und Kulturorganisator F. konnte bereits um 22 Uhr, nach nur 13 Stunden Arbeit, den Heimweg antreten, ohne sich auf intellektuelle Gespräche am Tresen einlassen zu müssen.

Natürlich hat der fleißige Kulturorganisator auch noch viel in seiner Rolle als Journalist F. zu tun. Beispielsweise dem bunten Treiben der Pferdedressur zu folgen. Die Idee war ebenso verblüffend wie einfach: Man nehme ein Orchester, lasse es aufspielen und hoffe, dass die Pferde, die man dazu vors Publikum treibt, im Takt der Violinen und Hörner zu tanzen beginnen. Leider ging diese Rechnung im Nachbarstädtchen Z. nicht ganz auf. Denn die Rösser erwiesen sich als reichlich kapriziös und wollten partout nicht das tun, was ihre Reiterinnen und Reiter von ihnen erwarteten. Eigentlich kein Wunder, bei so viel schlechter Musik vom Band, die im Halbdunkel zu hören war. Denn an Licht und Ton hatte man selbstverständlich mal wieder gespart.

Kunstvertreib
Pferde können manchmal recht merkwürdig sein. Besonders, wenn sie mit ihren Reitern zu verschmelzen scheinen.

Wie auch immer, die teuren Gäule waren hübsch anzusehen. Viel mehr Zeit als für die Dressur hatte man nämlich für die Kosmetik investiert. Herrlich lockige Mähnen, prachtvoller Schweif, glänzendes Fell. All das wünscht man sich gemeinhin auch von den Männern. Aber das ist ein ganz anderes Kapitel der Weltgeschichte und spielt an dieser Stelle gar keine Rolle. Wie auch immer, Patenkind A., die Journalist F. zum großen Reiterevent begleitete, hatte es gefallen. Und das war schließlich die Hauptsache.
1.5.07 15:52


Journalist F. berät Milliardärinnen

Eigentlich gibt es sie nur im Fernsehen. Und doch hat Journalist F. während des Jazzfestivals im Städtchen S. eine dieser sagenumwobenen Gestalten kennen gelernt: eine echt Milliardärin nämlich. Kaum dass der fleißige Zeitungsschreiber in seiner Eigenschaft als Kulturorganisator F. den Backstagebereich am Nachmittag des dritten musikalischen Festtages betreten hatte, wurde er auch schon mit lautem Hallo von Tourneebegleiter G. begrüßt. „Darf ich Dir Milliardärin W. vorstellen?“ fragte er erfreut. „Oh, you are the man who takes photos without flashlight!“ strahlte die nette Dame mit Vornamen E. den verblüfften Jazzfestivalmanager an. Tatsächlich kann dieser, wie die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs immer wieder verwundert feststellen, auch bei trübem Bühnenlicht schöne Fotos machen.

Jazzstress 3
Milliardärin W. probiert ihre neue Kamera aus. Verblüffende Ähnlichkeit mit der Gerät, das Journalist F. normalerweise für investigative Fotos verwendet.

Lange Rede, kurzer Sinn. Milliardärin W. wollte sofort auch so eine Kamera wie Journalist F., fragte nach dem Preis und kommentierte bei der Antwort „600 Euro“ nur mit einem Schulterzucken. Daraufhin notierte die sympathische Dame aus Kanada noch genau das Modell und entschwand mit einem Chauffeur aus ihrem Gefolge in Richtung des nächsten Elektrofachmarkts. Eigentlich war Milliardärin W. ja zur Begleitung des kanadischen Sänger I. angereist, den sie mit ihren schier unbegrenzten finanziellen Mittel unterstützt und fördert. Und natürlich im besten Licht fotografieren will. Was nicht immer vorhanden ist, weshalb man eben eine Spitzenkamera braucht. Und somit schloss sich der Kreis.

Jazzstress 3
Milliardärin W. –hier nur der Haarschopf zu sehen - spielt begeistert Mäzen für den 2,05 Meter großen Sänger I., hinter Künstler Irgendlink stehend.

Obwohl noch einige Stunden bis zum Beginn der Veranstaltung herrschte emsiges Treiben hinter der Bühne des Jazzfestivals im Städtchen S. Denn mehr als 70 Künstler und Hilfskräfte waren anwesend, um dem geneigten Publikum einen schönen und unterhaltsamen Abend zu bereiten. Da war das Quintett der Pianistin H., die selbst hektisch durch die Räume eilte und „Es ist noch so viel zu erledigen. Es ist noch so viel zu tun!“ vor sich hinmurmelte. Vor der Tür war eine provisorische Bushaltestelle entstanden, wo ständig einige Mitglieder sowohl der 15-köpfigen Frauenbigband aus New York als auch der zwölfköpfigen Truppe B&B aus der Bundeshauptstadt B. darauf warteten, vom festivaleigenen Künstlershuttelbus ins Hotel und zurück gebracht zu werden. Zum Essenfassen ging es in den Backstagebereich des Festivals, zum Schlafen ins Luxushotel A., wo Kulturorganisator F. komfortable Suiten gebucht hatte, um die müden KünstlerInnenkörper wohltuend ruhen zu lassen.

Jazzstress 3
Pianistin H. übte noch schnell den Flohwalzer, bevor sie sich zusammen mit den von ihr mitgebrachten vier Herren auf die Bühne begab.

Trotz des bunten Treibens hinter der Bühne gelang es erstaunlicherweise, pünktlich zum Konzertbeginn etwas Ruhe und Ordnung in das durch Künstlerhand verursachte Chaos zu bringen. Während im Saal auch der allerletzte Platz besetzt war, tummelten sich Musikerinnen und Musiker auf die Bühne, um mit exorbitanten Klängen ihre Gage zu verdienen. Journalist F. bekam diese Aktionen nur am Rande mit. Denn mittlerweile war Milliardärin W. mit vielen Tüten aus dem Elektromarkt zurückgekehrt und war dankbar für eine grundlegende Einführung in die Bedienung ihrer neuen Kamera. Für den Rest des Abends war die technisch versierte Dame dann beschäftigt und überall, wo sie erschien, wurden Fotos gemacht.

Jazzstress 3
Blasen war das Motto des Jazzabends.

Jazzstress 3
Obwohl manche der Damen auch singen konnten.

Jazzstress 3
Was manche, den geneigten Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs wohlbekannte Menschen im Publikum sehr erfreute, wie man unschwer erkennen kann.

Jazzstress 3
Trotzdem, die Bläserinnen der Kampflesbencombo waren eindeutig dominant.

Jazzstress 3
Doch letztendlich gab die Drummerin den Takt an. Ohne Widerspruch zu dulden, so viel war sicher!

Jazzstress 3
Erstaunlich, wie das Fotografieren seit Verbreitung der Digitaltechnik schimmelpilzartig wuchert. Vor der Bühne im Städtchen S. war kein Platz mehr, denn eine Horde Fotografinnen und Fotografen schossen geheime Aufnahmen von den hüpfenden und singenden Künstlern.

Sänger I. erwies sich auf jeden Fall als Prachtkerl, der viel Applaus und Bewunderung erhaschen konnte. Besonders die Damen um Publikum sahen mit hängender Zunge und verklärtem Blick die Hüftschwünge des 2,05 Meter großen, zudem noch jungen und stattlichen Mannes. Die meisten Herren im Publikum hingegen erlebten das Schauspiel mit großer Skepsis und machten sich wohl Gedanken, ob die Gerüchte bezüglich der Größe spezieller Körperteile bei Männern schwarzer Hautfarbe zutreffend sein könnten.

Jazzstress 3
Sänger I. bei einer extatischen Stöhneinlage im Programm.

Jazzstress 3
Sänger I. beim extatischen Hüftschwung, der manch einer Dame und einigen Herren im Publikum die Sinne schwinden ließ.

Jazzstress 3
Die Damenband komplett mit dem charismatischen Sänger I. im Foyer der Stadthalle im Städtchen S.

Viele Stunden später ging es dann in den traditionellen Festivalklub. Dort trafen sich zahlreiche Gäste nebst Musikern, die man eigens engagiert hatte, damit die Töne der Jazzmusik ohne Unterbrechung zelebriert werden konnten. Lustig ging es da zu, obwohl die meisten Bandmitglieder bereits im kuscheligen Hotel untergebracht waren. Kein Wunder, denn die Bands mussten in den allerersten Morgenstunden wieder abreisen, da Engagements in Rom und Zagreb auf sie warteten. Das ist internationaler Jazz-Set!

Jazzstress 3
Feiern und Blasen, das Motto im Klub wurde exzessiv zelebriert.

Jazzstress 3
Mit lautem Wehklagen verkündete Sängerin B. aus der Bundeshauptstadt B. das Ende des Festivals.

Irgendwann in dieser turbulenten Zeit wurde auch noch die Sommerzeit eingeführt. So war es schließlich kein Wunder, dass Journalist F. erst um vier Uhr morgens die Türe zu seiner heimatlichen Wohnung aufsperren konnte , heilfroh, dass auch dieses kulturelle Mammutunternehmen wieder einmal gut über die Bühne gegangen ist.
29.3.07 13:45


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