Die geheimen Tagebücher des Journalisten F.
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Patient F.

Das Journalistenblog zieht um

Eine spannende Nachricht: das Journalistenblog zieht um und wird zum Patientenblog!

Hier geht es zum neuen Patientenblog...
29.4.09 00:50


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Patient F. verpasst das Festival

Verbunden mit der durchaus schwer wiegenden Erkrankung von Journalist F. ist auch ein Krankenschein. Das heißt, der fleißige Zeitungsschreiber und Kulturorganisator muss zu Hause bleiben und darf auf keinen Fall das Amt betreten. Wenngleich sich Journalist F. ein wenig dafür schämt, aber eigentlich ist dieser Zustand keinesfalls störend. Nur die armen Kollegen im Amt müssen die gesundheitlichen Unbilden ausbaden, indem sie bislang völlig ungewohnte Tätigkeiten durchführen.

So auch beim jüngst stattfindenden Jazzfestival. Zum Glück hatte Kulturorganisator F. trotz zunehmenden Unwohlseins noch viele der Vorbereitungen treffen können. Beispielsweise das umfangreiche Programmheft schreiben und bis zur Druckreife zu bringen. Doch es gab noch genug Tätigkeiten, welche die im Amt verbleibenden Kolleginnen und Kollegen in den Wahnsinn zu treiben vermochten. Viel zu spät reifte dort die Erkenntnis, dass Kollege F. doch nicht nur schlafend die Zeit in seinem Büro verbracht hat, sondern tatsächlich auch zahlreichen Tätigkeiten nachgehen musste, und denen in der Regel gleichzeitig.

Dialysestation
Die Verzweiflung ist Chef R. anzusehen

Neben dem Telefon galt es Freikarten für Sponsoren und Vips zu drucken und zuvor auch noch geschickt die begünstigten Personen auszuwählen. Der Druck selbst ist eine eher mechanische Tätigkeit, zu der man innerhalb weniger Stunden angelernt werden kann. Doch die Kolleginnen und Kollegen hielten sich von solch profanen Dingen gerne fern. Denn schließlich hat das mit Computern zu tun und die funktionieren mit gefährlichem Strom. Also: Finger weg! war die Devise. Lasst doch Kulturorganisator F. die Abendstunden im Büro verbringen, das stört doch niemanden. Denn was man nicht sieht, das muss einem auch nicht beschäftigen.

Zudem war Kulturorganisator F. eigentlich schon seit längerer Zeit durch seine Krankheit gezeichnet, was er aber, wie gewohnt, nicht wahr haben wollte. „Menschen mit Ihren Blutwerten sind normalerweise seit mindestens sechs Monaten krank geschrieben! Wie halten Sie das überhaupt durch?“ fragte Ärztin M. in der nephrologischen Ambulanz der Universitätsklinken. Eine Frau, die, ganz nebenbei bemerkt, zu den kompetentesten Medizinern gehört, denen Patient F. im Laufe der Jahre begegnet ist. Die Zeit der ersten Visitationen im Tempel der Gesundheit fiel just auf die Tage vor dem geplanten Besuch der Kulturbörse in F., zu der Kulturorganisator F. nebst Kollegin R. alljährlich reist, um Kleinkünstler für den berühmten Wettbewerb im Städtchen S. einzufangen, damit sie am Ende vielleicht eines der begehrten Kochgeschirre gewinnen können. „Wenn Sie diese Reise unternehmen, fürchte ich um Ihr Leben!“ kommentierte Ärztin M. Eine Feststellung, die Journalist F. erstmals nachdenklich werden ließ. Widerstandslos ließ er sich daher krank schreiben und teilte den besorgten Kollegen mit, dass er unmöglich nach F. fahren könne. Nicht, dass man im Amt einen Ersatzmesseteilnehmer gefunden hätte, nein, man sagte die Teilnahme einfach ab.

Dialysestation
Die Kollegen machen gute Mine zum bösen Spiel

Doch das Jazzfestival war da etwas komplizierter. Zwar entstanden Pläne, die beliebte Veranstaltung ebenfalls ins Wasser fallen zu lassen, doch zum Glück kamen diese niemals zur Durchführung. So mussten Kolleginnen und Kollegen schwitzen und staunen, während Kulturorganisator F. zwar nach Kräften Unterstützung bot, doch letztendlich nicht alle Tätigkeiten übernehmen konnte.

Besonders prekär dabei die Tatsache, dass das diplomatische Geschick von Kulturorganisator F. plötzlich nicht mehr zur Verfügung stand. Normalerweise prallten die Wünsche von Chef R. und Festivalleiter K. nicht direkt aufeinander, sondern wurden zunächst von Kollege F. gefiltert. Der wiederum entwickelte Kompromissmöglichkeiten, so dass sich alle liebten und herzten. Ähnlich erging es mit anspruchsvollen Künstlern und deren Agenten oder mit potenziellen Besuchern der Veranstaltungstage. Jetzt aber, da sich der kranke Kulturorganisator an der Dialyse ausruhen durfte, trafen sich Welten, die unterschiedlicher kaum sein konnten.

Dialysestation
Künstler Irgendlink hat das Festival im Griff und bekommt alle hungrigen Künstler satt. Leider nicht die Techniker...

Wie auch immer, weitere Details sollen den geneigten Leserinnen und Lesern des Patientenblogs dankenswerterweise erspart bleiben. Letztendlich lief das Jazzfestival problemlos und höchst erfolgreich ab. Nicht zuletzt dank dem unermüdlichen Einsatz von Künstler Irgendlink, der traditionell die Betreuung der Künstlerinnen und Künstler übernommen hatte. Seiner unendlichen Geduld und Güte war es zu verdanken, dass schlimmere kriegerische Auseinandersetzungen verhindert werden konnten.

Wie es mit Patient F. im Amt weiter geht und wie der fleißige Zeitungsschreiber in die Mühlen der Bürokratie geriet, davon soll im nächsten Kapitel des Journalistenblogs berichtet werden.
26.4.09 18:57


Patient F. entdeckt Hartz-vier-TV

Dienstags, Donnerstags und Samstags heißt es für Patient F. die Reise zur Dialyse anzutreten. Von 13.45 Uhr bis kurz nach Sechs dauert die Prozedur, die zunächst einmal gründlich vorbereitet werden muss. Doch dann hat man vier Stunden lang mehr oder weniger seine Ruhe. Abgesehen von regelmäßigen Blutdruckmessungen, dem Klingeln des Stationstelefon, laut lachenden Krankenschwestern, stöhnenden Mitpatienten und ab und an einem herabfallenden Geschirrtablett irgendwo in den Tiefen der Station. Kurz und gut, die ideale Lösung, nämlich die Zeit einfach zu verschlafen, scheidet für Patient F. aus. Warum das die anderen Mitpatienten so gut können, wird dem geduldigen Patienten allerdings immer ein Rätsel bleiben.

Was also tun in den langen Stunden der erzwungenen Untätigkeit? Lesen natürlich, doch das sollte man nicht allzu oft tun, da man sonst als intellektueller Spinner gilt und das Pflegepersonal beunruhigt. Abgesehen davon ist das auch anstrengend. Doch zum Glück gibt es einen Fernsehapparat, der mithilfe einer käuflich erworbenen Gebührenkarte gestartet werden kann. Auch hier ist das Glück natürlich unvollkommen, denn es sind keine der tollen Sender zu empfangen, für deren Werbefreiheit Journalist F. monatlich ein nicht gerade kleines Salär ausgibt. Vielmehr gibt es so genanntes „Free TV“ und das hat in den Nachmittagsstunden nicht gerade Premiumprogramm zu bieten.

So zappte sich Patient F. in den Anfangstagen durch die öde Senderlandschaft, bis er ganz allmählich seine Lieblingssendung entdeckte: Hartz-vier-TV auf einem Sender, der ursprünglich im Nachbarländchen L. angesiedelt war und noch heute dessen Namen trägt. Von 15 Uhr an verspricht man dort, das wirkliche Leben zu präsentieren. Und das ist in der Tat prall und voller Überraschungen.

Da der Mensch – und besonders der regelmäßige Konsument des besagten Senders – ein Gewohnheitstier ist, folgt die so genannte Doku-Soap natürlich gewissen Regeln. Regel Nummer eins: es geht um Menschen aus den neuen Bundesländern, die ihre Herkunft aufgrund sprachlicher Eigenheiten nicht verleugnen können. Regel zwei: diese Menschen müssen langzeitarbeitslos und somit Empfänger der Segnungen von Hartz-IV sein. Der Rest ergibt sich dann beinahe von selbst. Denn die so ausgewählten Fernsehopfer sind zwar weniger mit Intelligenz oder Bildung, dafür aber mit gnadenlosem Selbstbewusstsein ausgestattet, das sie mit exibitionistischer Freude einer staunenden Zuschauerschar präsentieren. Ganz gleich, ob der Ehemann hinter schwedischen Gardinen sitzt, kaum weiß, wo seine elf bislang gezeugten Kinder sich aufhalten und zudem auch noch ein Verhältnis mit der Schwester seiner Gattin hat – aus dem zwei Kleinkinder erwachsen sind – stolz präsentieren sich die Protagonisten des sozialen Abstiegs vor der Kamera.

Welch sozialen Hintergrund die Helden des Nachmittags haben, wird meist schnell offenbart, wobei sich eine gewisse Dramaturgie der Steigerung feststellen lässt. Spätestens, wenn im Plattenbau der Badewannenabfluss seit Monaten verstopft ist und man daher das Wasser nach der Benutzung mit Hilfe eines Eimerchens in die Toilette gießen muss, staunt der allzu bürgerlich erzogene Zuschauer vor dem Bildschirm. Wer würde hier nicht gerne durch den Fernseher rufen: „Lasst doch das Teil reparieren!“ Doch das ist sinnlos, da die interaktiven Möglichkeiten im TV noch sehr begrenzt sind. Die lesbische Tochter des Hauses, die zu Gewalttaten neigt und deren Sprachschatz aus nur wenigen Worten wie „Äii, isch hau dir in die Fresse!“ besteht, scheitert, wen wundert’s, am Zehnereinmaleins. Einziger Kommentar: „Aii, Scheiße, det kapier isch net! Verpiss disch, du Assitussi!“.

Das wirklich Spaßige an der neuen Lieblingssendung von Patient F. ist allerdings die durchaus zynische Präsentation der Kommentatoren. Offen gesagt, eigentlich kann man ihnen offiziell nichts vorwerfen, denn die Bemerkungen sind stets verständnisheischend und politisch korrekt. So wird das Chaos zur Normalität gemacht und die Stars des Nachmittags zu Witzfiguren der Nation. Nur scheint es, diese bemerken das gar nicht, sondern sind stolz, dass sich endlich mal jemand für die wirklichen Probleme im Leben interessiert. Wer glaubt, Journalist F. übertreibe, der lasse sich einfach mal einen Nachmittag vom ältesten deutschen Privatsender begeistern. Doch vorsicht: Suchtfaktor ist garantiert.
20.4.09 02:34


Patient F. meistert die Routine

Für einen unvorbereiteten Besucher ist eine Dialysestation wahrscheinlich ein höchst fremdartiger, ja Furcht einflößender Ort. Drei Zimmer mit jeweils vier Betten reihen sich in der so genannten Zentrale der Station 3 aneinander. Neben jedem ordentlichen Krankenhausbett steht eine merkwürdige Maschine mit verwirrenden Anzeigeinstrumenten und einer Vielzahl von Schläuchen und Leitungen. In jedem Bett liegt ein Dialysepatient, der dort vier bis fünf Stunden ziemlich reglos verbringen muss. Irgendwo aus dem Körper sieht man mit Blut gefüllte Plastikschläuche hervorkommen, die den Weg in die summende Maschine finden. Dort passiert der rote Lebenssaft eine Reihe geheimnisvoller Filter, wird von Schadstoffen gereinigt, während gleichzeitig andere, lebenswichtige Substanzen zugefügt werden. Alle 20 Minuten fließt das gesamte Blutvolumen des Patienten komplett durch den Dialysator, so dass es bis zum Ende der Behandlung sage und schreibe 15 Mal den abenteuerlichen Weg durch das Hightech-Gerät findet.

Dialysestation
Eine fremdartige Atmosphäre herrscht in der Dialysestation

Merkwürdig ist nur, dass die meisten Patienten derart reglos und mit geschlossenen Augen in ihren Betten liegen, dass man glaubt, sie seien in ein künstliches Koma versetzt worden. Auch erkennt man, dass die Bevölkerung hierzulande immer älter wird, denn Patient F. zählt mehr oder weniger zu den fast noch jugendlichen Patienten. Wie aber verbringt man nun vier Stunden inmitten hutzeliger Omas und schlecht gelaunter Opas? Die Möglichkeiten sind vielfältig und begrenzt zugleich. Patient F. zum Beispiel hat sich seit langer Zeit wieder intensiv mit dem Lesen beschäftigt, eine Tätigkeit, die den Geist schärft und die Fantasie stärkt. Leider gibt es auch noch einen Fernsehapparat, dessen größter Nachteil die Beschränkung auf frei empfangbare Programme ist. Pay-TV ohne Werbung ist dabei natürlich tabu. Mittlerweile hat Patient F. auch seine Lieblingssendung am Nachmittag auserkoren. Doch davon später mehr.

Dialysestation
So sieht die geheimnisvolle Maschine aus

Zwischen den ganzen Patienten und den glucksend arbeitenden Geräten wimmelt es nur so von Krankenschwestern und Krankenpflegern, wobei letztere leider in der Minderzahl sind. Unter den hilfreichen Damen herrscht nämlich offensichtlich großer Konkurrenzkampf, der durchaus auch in einen ausgewachsenen Zickenkrieg ausarten kann. Dass es dabei Kolateralschäden unter den Patienten gibt, scheint leider unvermeidlich zu sein. Mittlerweile kennt Journalist F. die Pflegekräfte alle mit Namen. Und da er während der vierstündigen Behandlung viel Zeit hat, konnte er auch jede Person im weißen Kittel beobachten und dabei die recht unterschiedlichen Charaktere erkennen. Schwester L. zum Beispiel, das Küken im Dialyseteam. Sie ist seit über zwei Monaten hier tätig und es scheint leider so, als sei sie nicht gerade die ideale Besetzung für diesen Job. Sehr lieb und hilfsbereit, aber leider recht nervös und verwirrt, so dass sie immer noch grundlegende Gesetze der Patientenbehandlung verwechselt. Schwester E. hingegen ist überaus sorgfältig und aufmerksam. Obwohl man im ersten Moment nicht den Eindruck hat, als könne man der aus den fernen Steppen Sibiriens stammenden Dame auch nur das geringste Lächeln entlocken. Doch der Eindruck täuscht und Patient F. schätzt Schwester E. in höchstem Maße.

Dialysestation
Man ist stets fleißig um die Patienten bemüht, wenn nicht gerade Zickenkrieg herrscht

Pfleger B. ist kompetent, intelligent, aber etwas indifferent, was seine Arbeitsmotivation anbelangt. Vielleicht leidet er aber auch nur unter der schrecklichen Armada seiner Kolleginnen. Pfleger J. hingegen pflegt mit stoischer Ruhe, die sich erfreulicherweise auch auf die Patienten überträgt. Im Laufe des Blogs wird noch von einigen Ärzten und Pflegern zu berichten sein. Doch davon später mehr.
16.4.09 11:39


Journalist F. wird erforscht

Heute war ein prima Tag. Nach beinahe zehn Wochen wurde Patient F. endlich von einem merkwürdigen Fremdkörper befreit, den man ihm kurz unterhalb des Halses in ein Blutgefäß gesteckt hatte. Es wäre nämlich naiv, sich vorzustellen, jeder Mensch hätte einen ebenso genormten wie obligatorischen Anschluss für eine Blutwäschemaschine. Ganz im Gegenteil. Der Körper ist eher darum bemüht, keine Öffnungen entstehen zu lassen, durch die Blut ab- oder zufließen könnte. So hat sich die Zivilisation gewisse Tricks ausgedacht, um diesen Konstruktionsfehler zu beseitigen.

Eine Möglichkeit davon ist besagter Schlauch, der tief in die Blutbahn eingeführt wird. Der Anschluss der Maschine gerät dadurch schnell, einfach und schmerzlos, doch ständig mit einem Plastikschlauch herumzulaufen, dessen Ende wie einst bei Frankensteins Monster neugierig aus der Halsschlagader hervolugt, ist kein auf Dauer erstrebenswerter Zustand. Daher gibt es einen weiteren Trick, der jedoch chirurgisches Können fordert. Doch davon gleich mehr.

Die Geschichte der Dialyse beginnt Mitte der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals im von deutschen Soldaten besetzten Holland war die Entwicklung der künstlichen Niere jedoch zunächst ein Experiment, das sich heute vorzustellen kaum möglich ist. Wie auch immer, den Apparat selbst entwickelte man weiter. Nur die Möglichkeit, den Menschen regelmäßig daran anzuschließen, schien sich niemals ergeben zu wollen. Denn die Blutgefäße sind viel zu dünn und zu empfindlich, um drei Mal in der Woche mit dicken Nadeln punktiert zu werden. Und so war für die ersten Dialysepatienten nach ein paar Behandlungen erst einmal Schluss. Meist leider auch mit dem Leben.

Erst Ende der 50er-Jahre entwickelte man den so genannten Shunt, also eine Stelle, die man immer wieder zur Blutentnahme benutzen kann. Kunststoffrohre erwiesen sich als nur bedingt geeignet und daher kam ein erstaunlich kluger Geist auf die Idee, die menschlichen Adern so umzugestalten, dass sie den gewünschten Anforderungen entsprechen.

Eine ganz einfache Sache, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn meist am Unterarm werden eine Vene und eine Arterie zusammengenäht, wodurch ein großes, durchflussstarkes Blutgefäß entsteht, das sich im Laufe der Zeit weitet und verhärtet. Genau darin kann man dann regelmäßig die beängstigend dicken Nadeln stecken, die zum Anschluss an die Dialysemaschine benötigt werden. Genau einer solchen Operation musste sich auch Patient F. unterziehen. Allerdings nicht in der Uniklinik in H., sondern in der fernen Landeshauptstadt S. des kleinen Bundeslandes S. Dort befindet sich die einzige Chirurgin im Umkreis von 100 Kilometern, die solcherlei Kunststücke zuverlässig vollbringen kann.

Im Grunde genommen war diese Operation eine spannende Sache. Schließlich hatte Journalist F. bislang noch nie einen Operationssaal von innen gesehen, außer natürlich im Fernsehen. Aber dort sind die chirurgischen Weihestätten deutlich größer und prachtvoller als in der Wirklichkeit. Wie auch immer, der Eingriff gelang, wobei man erstaunliche eineinhalb Stunden brauchte, um das Meisterwerk zu vollenden. Doch von dieser Zeit weiß Patient F. nichts mehr, da man ihn mit einer ebenso geheimnisvollen wie wirksamen Droge ruhig gestellt hatte. Nie zuvor hatte der fleißige Zeitungsschreiber so gut geschlafen.

Wie auch immer, mittlerweile sind die Wunden verheilt und der so genannte Shunt kann von sadistischen Krankenschwestern fleißig benutzt werden. Kein angenehmer Vorgang, aber davon will Patient F. in der nächsten Folge berichten.
16.4.09 02:03


Die Maschine wird zum besten Freund von Patient F.

Eigentlich wollte Journalist F. in den Tiefen des Gesundheitssystems investigieren, doch leider schlug selbiges zurück und investigierte in den Tiefen von Patient F. Seit den Zeiten des legendären Äskulap ist es nämlich ein Anliegen aller Ärzte, spitze Sonden durch alle natürlichen und unnatürlichen Körperöffnungen des Menschen zu schieben. Was diese nicht können, müssen gefährliche Röntgenstrahlen übernehmen. Am besten allerdings sind die Methoden, bei denen Sonden in den Körper eingeführt werden, radioaktive Substanzen in die Blutbahn gelangen und dann der ganze Patient mit ebenso radioaktiven Strahlen durchleuchtet wird. Kurz, Arzt zu sein ist der Traumberuf jedes Sadisten. Leider ist nicht jeder Patient auch ein dazu passender Masochist. Auch Journalist F. gehört nicht in diese Kategorie. Doch leider hat man ihn zu keinem Zeitpunkt um seine Meinung gefragt.

Wie auch immer, das Ergebnis der umfangreichen Investigation in die Tiefen des Journalistenkörpers brachte eine fatale Erkenntnis zu Tage: die Nieren von Patient F. waren irrigerweise der Ansicht, genug getan zu haben und daher in den Ruhestand treten zu dürfen. Einerseits verständlich, wenn man bedenkt, dass die Nieren von Journalist F. bislang rund 25.000.000 Liter Blut filtern mussten. Andererseits, Frührente ist für die fleißigen Organe nicht wirklich vorgesehen. Wie auch immer, mit Vernunft und Logik war den Nieren von Journalist F. nicht beizukommen und so wurde aus dem fleißigen Zeitungsschreiber Patient F. Ein unerwarteter Schrecken, denn ein Mann im mittleren Alter rechnet mit vielen schlimmen Krankheiten. Schlaganfall, Herzinfarkt oder Krebs machen Sorgen. Doch eine so genannte terminale Niereninsuffizienz gehört zu den eher seltenen Krankheiten. Rund 60.000 Menschen in Deutschland haben diese kostspielige Erkrankung. Bei rund 80 Millionen Einwohnern also ein sehr exklusiver, beinahe familiärer Kreis.

Trotzdem, für Journalist F. hatte die Diagnose eine ganze Reihe unvorhergesehener Konsequenzen. Zum einen war ein neues Zeitmanagement gefragt. Denn drei Mal pro Woche muss eine Hightech-Maschine die Funktion des natürlichen Filterorgans übernehmen. Dabei wird das gesamte Blut im Laufe von vier Stunden mehrfach durch einen komplexen Filter geleitet. Während dieser langen Zeit liegt man weit gehend unbeweglich in einem Bett und muss sich diverse Beschäftigungsmöglichkeiten überlegen. Die Behandlung selbst ist nicht schmerzhaft, doch die Begleiterscheinungen können durchaus mehr als unangenehm sein. Denn nach einer so genannten Dialyse fühlt man sich wie nach einer schweren, körperlichen Anstrengung. Und der Gewöhnungsprozess an die Behandlung ist lang.

Daher musste der Beginn der Behandlung auch unter strenger ärztlicher Beobachtung stattfinden, wodurch der stationäre Aufenthalt von Patient F. notwendig wurde. Der selbst gestaltete sich wechselhaft. Schließlich stellte er den Tiefpunkt im bisherigen Leben des sonst so agilen Journalisten dar. Zudem abzusehen war, dass die Tätigkeit als Kulturorganisator F. für lange Zeit nicht mehr aufgenommen werden kann. Doch zum Glück war Patient F. nicht alleine. Vielmehr kam täglich Besuch. Künstler Irgendlink fand den Weg nach Feierabend in der Tackerwerkstatt zum Tempel der Heilkunst, Freundin F. nebst Patenkind A. nahmen viele Mühen auf sich, um täglich dem armen Journalisten einen Besuch abzustatten. Und nicht zu vergessen natürlich Tacker T. So verliefen die Tage langsam, aber stetig und die ersten Stunden an der Dialysemaschine gestalteten sich besser als erwartet. Nach einer Woche hieß es dann Abschied nehmen vom Krankenbett, jedoch nicht von der Uniklinik. Denn drei Mal in der Woche muss Patient F. dort für mehr als vier Stunden erscheinen. Eine ziemlich schräge Sache. Doch davon später mehr.
10.4.09 15:38





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