Für einen unvorbereiteten Besucher ist eine Dialysestation wahrscheinlich ein höchst fremdartiger, ja Furcht einflößender Ort. Drei Zimmer mit jeweils vier Betten reihen sich in der so genannten Zentrale der Station 3 aneinander. Neben jedem ordentlichen Krankenhausbett steht eine merkwürdige Maschine mit verwirrenden Anzeigeinstrumenten und einer Vielzahl von Schläuchen und Leitungen. In jedem Bett liegt ein Dialysepatient, der dort vier bis fünf Stunden ziemlich reglos verbringen muss. Irgendwo aus dem Körper sieht man mit Blut gefüllte Plastikschläuche hervorkommen, die den Weg in die summende Maschine finden. Dort passiert der rote Lebenssaft eine Reihe geheimnisvoller Filter, wird von Schadstoffen gereinigt, während gleichzeitig andere, lebenswichtige Substanzen zugefügt werden. Alle 20 Minuten fließt das gesamte Blutvolumen des Patienten komplett durch den Dialysator, so dass es bis zum Ende der Behandlung sage und schreibe 15 Mal den abenteuerlichen Weg durch das Hightech-Gerät findet.
Eine fremdartige Atmosphäre herrscht in der Dialysestation Merkwürdig ist nur, dass die meisten Patienten derart reglos und mit geschlossenen Augen in ihren Betten liegen, dass man glaubt, sie seien in ein künstliches Koma versetzt worden. Auch erkennt man, dass die Bevölkerung hierzulande immer älter wird, denn Patient F. zählt mehr oder weniger zu den fast noch jugendlichen Patienten. Wie aber verbringt man nun vier Stunden inmitten hutzeliger Omas und schlecht gelaunter Opas? Die Möglichkeiten sind vielfältig und begrenzt zugleich. Patient F. zum Beispiel hat sich seit langer Zeit wieder intensiv mit dem Lesen beschäftigt, eine Tätigkeit, die den Geist schärft und die Fantasie stärkt. Leider gibt es auch noch einen Fernsehapparat, dessen größter Nachteil die Beschränkung auf frei empfangbare Programme ist. Pay-TV ohne Werbung ist dabei natürlich tabu. Mittlerweile hat Patient F. auch seine Lieblingssendung am Nachmittag auserkoren. Doch davon später mehr.
So sieht die geheimnisvolle Maschine aus Zwischen den ganzen Patienten und den glucksend arbeitenden Geräten wimmelt es nur so von Krankenschwestern und Krankenpflegern, wobei letztere leider in der Minderzahl sind. Unter den hilfreichen Damen herrscht nämlich offensichtlich großer Konkurrenzkampf, der durchaus auch in einen ausgewachsenen Zickenkrieg ausarten kann. Dass es dabei Kolateralschäden unter den Patienten gibt, scheint leider unvermeidlich zu sein. Mittlerweile kennt Journalist F. die Pflegekräfte alle mit Namen. Und da er während der vierstündigen Behandlung viel Zeit hat, konnte er auch jede Person im weißen Kittel beobachten und dabei die recht unterschiedlichen Charaktere erkennen. Schwester L. zum Beispiel, das Küken im Dialyseteam. Sie ist seit über zwei Monaten hier tätig und es scheint leider so, als sei sie nicht gerade die ideale Besetzung für diesen Job. Sehr lieb und hilfsbereit, aber leider recht nervös und verwirrt, so dass sie immer noch grundlegende Gesetze der Patientenbehandlung verwechselt. Schwester E. hingegen ist überaus sorgfältig und aufmerksam. Obwohl man im ersten Moment nicht den Eindruck hat, als könne man der aus den fernen Steppen Sibiriens stammenden Dame auch nur das geringste Lächeln entlocken. Doch der Eindruck täuscht und Patient F. schätzt Schwester E. in höchstem Maße.
Man ist stets fleißig um die Patienten bemüht, wenn nicht gerade Zickenkrieg herrscht Pfleger B. ist kompetent, intelligent, aber etwas indifferent, was seine Arbeitsmotivation anbelangt. Vielleicht leidet er aber auch nur unter der schrecklichen Armada seiner Kolleginnen. Pfleger J. hingegen pflegt mit stoischer Ruhe, die sich erfreulicherweise auch auf die Patienten überträgt. Im Laufe des Blogs wird noch von einigen Ärzten und Pflegern zu berichten sein. Doch davon später mehr.