Die geheimen Tagebücher des Journalisten F.
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Patient F. packt die Koffer

Vor nunmehr drei Jahrzehnten hatte Journalist F. schon einmal engen Kontakt zum Gesundheitswesen. Damals, in jenen fernen Zeiten der unschuldigen Jugend allerdings auf der anderen Seite, nämlich aus Aushilfspflegekraft. Dass sich seitdem manches geändert hat, vieles aber gleich geblieben ist, stellte der fleißige Investigator schon kurz nach der Ankunft im Klinikgebäude fest. Zum Glück wurde die Erwartung eines Fünfbettzimmers mit Toilette am anderen Ende des Flures in ungefähr 50 Meter Entfernung enttäuscht. Vielmehr bot man Patient F. ein neu renoviertes Zweibettzimmer mit angeschlossenem eigenem Bad an. Doch leider wird der Mensch im Laufe der Jahre verschrobener und anspruchsvoller. Und so ist es ein Schock, sich das Schlafzimmer mit einem fremden Menschen teilen zu müssen.

Selbiger war ein 83-jähriger munterer Zeitgenosse, der den Aufenthalt im Krankenhaus sichtlich genoss. Endlich keine nörgelnde Ehefrau / wahlweise Schwiegertochter, die ihn an die frische Luft schickt, ihn zu übertriebener Körperhygiene nötigt oder wenig Verständnis für die televisionären Vorlieben des in Ehren ergrauten Herren aufbringt. Doch zunächst machte sich Patient F. große Sorgen um den Gesundheitszustand seines Mitbewohners. Denn er gab ständig ein schauerliches Röcheln von sich, lag stocksteif in seinem Bett, den Mund geöffnet, die Augen geschlossen, so dass man jeden Moment mit dem finalen Ableben rechnen musste. Zum Glück wurde Patient F. schnell eines Besseren belehrt. Während der Abendstunden, als der Bettnachbar, der wie selbstverständlich den Fernsehapparat okkupiert hatte, sich eine der unglaublichen Fastnachtssitzungen aus der Landeshauptstadt M. anschaute, klang plötzlich, mitten im schönsten Röcheln, ein gar schauerliches Lachen, das Patient F. einen gehörigen Schrecken einjagte. Sollte Satan selbst Besitz von dem armen Menschen genommen haben? Es kann gar nicht anders sein, den als Steigerung erlebte man am nächsten Tag noch erstaunlichere Laute.

Während einer vierstündigen Sendung mit dem Volksmusikidol Florian S. ertönten ganze Sätze aus dem Mund des sonst so schweigsamen Herren. „Klasse, weiter so!“ oder „Mensch, das ist toll!“. Seltsam und irritierend. Zum Glück war Patient F. aufgrund seines desolaten Gesundheitszustandes müde genug, trotz dieser akustischen Belästigungen in tiefen Schlaf zu fallen. Nach drei Tagen war der Zauber endlich vorbei und der fernsehsüchtige Bettnachbar musste schweren Herzens in die Arme von Ehefrau / wahlweise keifender Schwiegertochter zurückkehren.

Doch der Frieden dauerte nur ungefähr fünf Minuten. Danach fuhren zwei diabolisch grinsende Krankenschwestern den Patienten E. inklusive Bett ins Zimmer. Mit einem Blick erkannte Journalist F., auf lange Erfahrung in der Pflege uralter Patienten zurückblickend, dass sich hier eine Katastrophe anbahnte. Denn der neue Herr war nicht mehr ganz Herr seiner Sinne. Und das ließ Schlimmes befürchten. Schließlich ist der Schlafrhythmus betagter Mitbürger insgesamt deutlich absonderlicher als der junger Menschen. Tagsüber mehrfach ein tiefes Schläfchen, abends um acht ins Bett und um drei Uhr wieder munter. Wenn der Gesundheitszustand jedoch zu geistiger Verwirrtheit führt, dann ist an Nachtschlaf gar nicht mehr zu denken. So auch Patient E., der seiner Enkelin beim Discobesuch sicherlich ein Vorbild hätte sein können. Tatsächlich war Patient E. ab neun Uhr abends putzmunter und wollte aufstehen, um zur Arbeit zu gehen. Jeder Laie konnte erkennen, dass die aktiven Zeiten des Herren lange Zeit zurück lagen und sein Einsatz in der Werkstatt eher unerwünscht war. Doch das hielt Patient E. nicht davon ab, bis in die frühen Morgenstunden stöhnend Aufstehversuche zu unternehmen, die zum Glück durch einen breiten Sicherheitsgurt verhindert werden konnten.

Das wäre nicht das Schlimmste gewesen. Schon am ersten Morgen machte Patient F. eine denkwürdige Beobachtung. Der ebenso gut aussehende wie tüchtige Lernpfleger stellte nämlich ein Glas mit Abführtropfen auf den Nachttisch des Bettnachbarn. Nun kann man es dem jungen Mann nicht verdenken, dass ihm grundlegendes Wissen über alte Menschen männlichen Geschlechts fehlt. Diese werden dem Arzt immer sagen, dass sie unter Verstopfung leiden, selbst wenn sie sich drei Mal am Tag erfolgreich fester Verdauungsrückstände entledigen. Das mag bei fitten, geistig klaren Menschen deren eigenes Problem sein, bei bettlägerigen, verwirrten Patienten jedoch wird dadurch eine fatale Kettenreaktion ausgelöst, deren olfaktorisch leidtragender natürlich Journalist F. war. Leider war die Verdauung nämlich die einzige Körperfunktion, die bei dem armen Patient E. noch überdurchschnittlich gut funktionierte. Bei Tag und Nacht. Und, wie schon erwähnt, ständig. So sehr sich die Pflegekräfte auch um Abhilfe und Reinigung bemühten.

Doch eigentlich wollte Journalist F. ja mehr über den Grund seines Krankenhausaufenthaltes berichten. Das soll im nächsten Kapitel geschehen.
10.4.09 01:18
 


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