Die geheimen Tagebücher des Journalisten F.
  Startseite
    Patient F.
    Frankendlink
    Autor F.
    Künstler F.
    Das Leben allgemein
    Sexangebote
    Journalist F. nimmt ab
    Skandale
    Nachtgedanken
    Party
    Kultur
    Männer
    Über das Bloggen
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Irgendlink
   Der neue Herr Lehmann
   Foto der Woche
   Oles Nachrichten aus Absurdistan
   Pe, die Gebenedeite
   Unentwegt
   Das Blogito geht um
   500 Beine
   Notenlinie
   Frau Kokolores
   IngoS
   Adlerfeder
   Buzi
   oegyr
   Hexenzauber

Kostenlose Counter by GOWEB
Kostenlose Counter by GOWEB


http://myblog.de/journalistef

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Journalist F. jazzt weiter

Wie die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs sicherlich bemerkt haben, ist der Bericht zum Jazzfestival im Städtchen S. noch lange nicht zu ende. Denn nach dem fulminanten Auftakt folgten noch weitere vier Tage voller Töne und Skandale. Mit dabei natürlich immer Künstler Irgendlink, der mit großem Talent auch die wildesten Musiker in Schach halten konnte.

Das Leben ist Jazz
Erfreulich unauffällig: die Big Band aus F.

Was gar nicht so einfach war. Denn nach einem eher ereignisarmen Auftritt der Bigband aus der Bankenmetropole F. sollte es am folgenden Tag einen angemessenen Ausgleich für die reibungslose Ruhe geben. Denn eine Truppe, die man direkt aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten eingeflogen hatte, sorgte im ganzen Städtchen S. für Furore und Aufregung. Zumindest das freundliche Personal im Hotel G. war stets mit den deutlich durch Starallüren gekennzeichneten Musikanten beschäftigt. Zunächst suchte man nach einem Arzt, der sich dann allerdings als zu teuer herausstellte. Dann wollte man in die Apotheke, die aber keine Dollars annehmen wollte. Drei Banken besuchte man, doch beim Auftauchen eines dunkelhäutigen, zugegeben nicht sonderlich vertrauenserweckend wirkenden Trios weigerte man sich aus Furcht vor Geldfälscherei beharrlich, gute, solide Euros gegen die zweifelhaften Scheine aus Übersee zu tauschen.

Das Leben ist Jazz
Machten dicke Backen: die Jazzvirtuosen aus Übersee.

Zwischenzeitlich erreichte Kulturorganisator F. der Anruf der Agentin H., Gattin eines prominenten Fabrikanten hochprozentiger Spiritousen. Obwohl die Gage längst per Überweisung auf dem Weg war, wollte man plötzlich doch einen Teil davon in Bar ausbezahlt bekommen. Wie immer Kulturorganisator F. dieses Wunder tatsächlich vollbrachte, soll an dieser Stelle ein Geheimnis bleiben. Nur so viel sei verraten, dass sich Agentin H. sicherlich aus Freude über den monetären Segen ein kleines oder auch größeres Fläschchen aus eigener Produktion genehmigte.

Das Leben ist Jazz
Ohne Schuh und ohne Höschen: die Sängerin aus dem hohen Norden schwitzte bei den tropischen Temperaturen in der Halle. Immerhin zeigte das Thermometer 15 Grad. Kulturorganisator F. kam aus anderen Gründen ins Schwitzen.

Wie auch immer, die illustren schwarzen Meister der Blue Notes stellten sich auch beim Konzert als überaus anspruchsvoll heraus. Man wollte die Kaviarbrötchen frisch haben und der Lachs durfte nur aus bestimmten Gewässern der nördlichen Meere importiert sein. Der Champagner sollte genau teperiert werden und die Sänftenträger vorsichtig zu Werke gehen. Wenn eine der bescheidenen Bedingungen nicht erfüllt wurde, gab es Prügel. Kein Wunder, dass man von Seiten der lustigen Musikanten auch keine Lust hatte, pünktlich zum Einsingen zu erscheinen. Nein, man wolle sich noch ausruhen. Und wo denn die gut aussehenden, nackten Masseurinnen blieben?

Das Leben ist Jazz
„Juchu, wir haben ihnen Erbsen in die Schuhe getan!“ freute sich das eigens für die Jazztruppe aus Übersee engagierte Helferteam, das den deutlich divaresken Blasmusikanten zu Diensten sein musste.

Endlich standen die Herren widerwillig auf der Bühne. Ein Gast erzählte begeistert, dass er den Pianisten vor kurzer Zeit im Fernsehen gesehen habe. Bei einem Bericht über die Slums von New Orleans. Da saß ein dem großen Star verblüffend ähnlich sehender Mensch mit seinem Keyboard auf der Straße und wartete, dass man Centmünzen in seinen Hut warf.

Das Leben ist Jazz
So sehen die fulminanten Konzerte der Truppe in ihrer Heimat aus.

Mit derlei lustigen Begebenheiten füllten sich die Tage des Festivals. Für Journalist F. eine Freude, für manch unermüdlichen Feierwilligen ein Skandal, dass es keinen Festivalclub gab. Dort spielten in der Vergangenheit die Musiker des Festivals noch ein paar Runden umsonst, während sich das voll alkoholisierte Publikum lautstark amüsierte. Nur Journalist F., weder durch Drogen noch durch Schnaps betäubt, musste das qualvolle Geschen bis in die Morgendämmerung über sich ergehen lassen. Wie auch immer, in diesem Jahr blieb das nächtliche Ritual aus.

Das Leben ist Jazz
Nicht jeder war traurig, dass der Festivalclub ausfiel. Andere wiederum wären gerne noch geblieben.

Am Ende der Festivaltage schließlich der Höhepunkt: Altjazzer K. gab sich die Ehre und eine unüberschaubare Menschenmenge strömte in die Halle. Dort waren die Stühle leider nicht ganz so aufgebaut, wie es hätte sein sollen und Kollegin S., die sich für diesen Teil des Festivals verantwortlich zeichnete, war leider überraschend von einem heimtückischen Virus befallen worden. Daher musste sich Kulturorganisator F. zusammen mit Künstler Irgendlink und einigen anderen, wenigen Kollegen der meuternden Menschenmenge stellen, die nicht auf Anhieb ihren Platz gefunden hatte. Es erstaunt immer wieder, dass selbst hoch gebildete Gymnasialpädagogen zu fluchenden Proleten werden, wenn es nicht sofort nach ihrem Willen geht. Worte wie „danke“ oder „bitte“ sind offensichtlich schon längst aus dem deutschen Sprachgebrauch gestrichen. Dadurch spart man schließlich eine ganze Menge Zeit.

Das Leben ist Jazz
Jazzlegende K. am Klavier. Sein Auftritt ließ selbst gefrorene Herzen schmelzen.

Wie auch immer, als schließlich Jazzlegende K. die Stimme erhob und „As time goes by“ und ähnliche herzzerreißende Lieder sang, war alles vergessen. Selbst die hartherzigsten Oberstudienräte weinten Tränen der Rührung und vergaßen, dass sie für diesen Abend viel Eintrittsgeld bezahlt hatten.

Das Leben ist Jazz
„Ende gut, alles gut! Prost!“ meinte Festivalleiter Dr. K. und bereitete im Geiste schon das nächste Festival vor.
17.4.08 12:24


Werbung


Journalist F. jazzt gesittet

„Büro ist wie Jazz, nur ohne Musik“ sagte einst Stromberg, Horrorchef in der gleichnamigen TV-Serie. Journalist F. kann dies locker übertrumpfen. Denn bei ihm kommt, zumindest einmal im Jahr, auch die musikalische Komponente dieser Kunst des Improvisierens hinzu. Jetzt war es wieder so weit und das Jazzfestival im Städtchen S. ging mit Glanz und Gloria über die Bühne. Sechs Tage lang, ein wahrer Marathon der Blue Notes also. Und immer dabei: Journalist F. in seiner Rolle als Kulturchef F. Weitere bekannte Akteure: Künstler Irgendlink und der grausame Wissenschaftler Frankendlink, die sich beide in ihrer anstrengenden Aufgabe, das Catering-Büffet zu bewachen, ergänzten.

Das Leben ist Jazz
Der neue Spielort des Festivals

Dieses Mal war man von der eher biederen Stadthalle in eine ehemalige Industriehalle gewandert. Wo einst Journalistenpapa F. seine Lehre als Elektriker absolvierte, durfte jetzt Kulturchefsohn F. das Kommando führen. Zumindest theoretisch. In Wahrheit machen Menschen immer das, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Und so sind sorgfältig erdachte Pläne innerhalb von Minuten zu Trümmerlandschaften geworden. Wie auch immer, die sechs Tage im ehemaligen Eisenwerk waren furios und erschreckend zugleich.

Das Leben ist Jazz
Licht und Farben – ein wahres Wunderwerk des schönen Scheins

Die Halle hat die Ausmaße einer mittelalterlichen Kathedrale. Auch die grundsätzliche Bauform ist daran angelehnt. Ein Mittelschiff, zwei Seitenschiffe und an den Giebelwänden Fenster, wie man sie sonst nur von sakralen Monumenten kennt. Dorthin kam am ersten Tag der experimentelle Jazz. Merkwürdige Töne, sagen die einen. Grandiose Ideen, die anderen. Auf jeden Fall ein Abend der Kontraste.

Das Leben ist Jazz
Oberbürgermeister J. überreichte den Jazzförderpreis an eine Formation, die höchst unharmonische Töne produzierte. Die allerdings meisterhaft.

Das Leben ist Jazz
Die Favoriten von Journalist F.: sanfte Töne und herrlich närrische Akteure

Das Leben ist Jazz
Hardrock und Jazz, dargeboten von Musikern im Hasenkostüm. Jeder Kommentar erübrigt sich. Um Mitternacht kam dann auch noch die Polizei vorbei, um dem suspekten Treiben ein Ende zu setzen.

Tag zwei stand im Zeichen der hohen Kunst. Der Sohn des prominenten Komponisten S. war gekommen und hatte noch einige Mitstreiter im Gepäck. Auch den Lichtkünstler Z., der schon seit vielen Wochen die Nerven von Kulturchef F. strapazierte.

Das Leben ist Jazz
Lichtkunst und sphärische Klänge – die Kritiker waren begeistert, das Volk tobte.

Das Leben ist Jazz
Oberkulturchef R. im Gespräch mit dem netten Leiter der Verwaltungsorganisation G.

Das Leben ist Jazz
Gedeckter Tisch für die Promis im Anschluss. Champagner floss in Strämen und die Kaviarbrötchen konnten gar nicht schnell genug nachgeliefert werden.

Das Leben ist Jazz
Drei nette Knäblein spielten eigens zur Freude der VIP-Gäste auf.

Das Leben ist Jazz
Stets alles im Blick: Künstler Irgendlink beim Bewachen der köstlichen Getränke und Speisen.

Das Leben ist Jazz
Rundfunkjournalistin R. erläutert Verleger B., dessen Gattin und Künstler Irgendlink, wie man sich am besten zu einem Büffet mit köstlichen Speisen durchkämpft.

Alleine der zweitägige Festivalauftakt hätte schon gereicht, um einen mehrwöchigen Sonderurlaub anzuschließen. Doch weit gefehlt. Nur ein paar Tage Pause, die natürlich für Kulturchef F. erfüllt waren mit Stress im Büro, und schon sollte es weiter gehen. Journalist F. wird natürlich berichten!
21.3.08 12:06


Journalist F. erforscht Verbote

Nachdem man es endlich geschafft hat, durch umfangreiche Verbote das schädliche, verdammenswerte Rauchen weitgehend einzudämmen und die von solch sündigen Gasen süchtigen Menschen als das zu outen, was sie sind, nämlich minderwertige Versager, geht die Bundesregierung weitere Probleme der nationalen Volksgesundheit an. Journalist F. hat investigiert und beim Gespräch mit einem hochrangingen Ministerialbeamten herausgefunden, was den Deutschen in den nächsten Monaten blühen wird:

Journalist F.: Deutschland ist rauchfrei. Das ist ein Erfolg, zu dem man gratulieren muss. Doch wie wird es weitergehen?

Beamter X.: Jetzt wenden wir uns dem nächsten Laster zu, das die Gesundheit unseres Volkes bedroht, dem Essen. Weit über die Hälfte der Wählerschaft ist übergewichtig, muss daher vermutlich öfter zum Arzt und verursacht dadurch Kosten in wahnwitziger Höhe. Dagegen wollen wir radikal ankämpfen.

 Journalist F.: Wie soll das passieren? Durch das Verbot bestimmter Lebensmittel?

Beamter X.: Sicher, ein Schokoladenverbot wurde bereits in Erwägung gezogen. Doch dadurch öffnet man nur der Illegalität Tür und Tor. Der Schwarzhandel und das organisierte Verbrechen würden davon profitieren. Nein, wir gehen weiter. In einem ersten Schritt wird ein komplettes Essverbot in Gastronomiebetrieben verhängt.

Journalist F.: Ein kühner Gedanke. Aber würde sich ein solcher Schritt nicht eventuell umsatzschädigend für beispielsweise Restaurants auswirken?

Beamter X.: Die Bedenken werden immer gerne geäußert. Aber man sollte einmal weiter denken: die Esser, die den Lokalen fernbleiben, werden durch die die Massen der Nichtesser, die derzeit selten gastronomische Fresstempel aufsuchen, wieder wettgemacht. Endlich brauchen sich Nichtesser nicht mehr den ekelerregenden Gerüchen von gekochten Mahlzeiten auszusetzen, sondern können geruchs-und geschmacksfrei ihre Freizeit genießen.

Journalist F.: Doch die Nichtesser machen weniger Getränkeumsatz. Bekanntlich trinken die meisten von ihnen nur Kräutertee.

Beamter X.: Und gerade bei Kräutertee ist die Gewinnspanne in der Gastronomie besonders hoch. Ein Beutelchen und etwas Wasser, dafür werden gerne drei Euro kassiert. Das rechnet sich in Kürze.

Journalist F.: Gibt es bereits Erfahrungen anderer Länder mit dem Essverbot in der Gastronomie?

Beamter X.: Es ist eine Schande, dass in unserer westlichen Welt noch keine Erfahrungen gesammelt wurden. Doch in den Ländern der so genannten dritten Welt ist die Praxis des Nichtessens seit vielen Jahren Teil des Volksbrauchtums.

Journalist F.: Aber mit teilweise negativen Folgen für die Bevölkerung. Man denke an Eritraea zum Beispiel.

Beamter X.: Alles hat eben auch seine nicht ganz so positiven Seiten.

Journalist F.: Ich danke Ihnen im Namen aller Leserinnen und Leser des Journalistenblogs für dieses Gespräch.

5.2.08 22:28


Journalist F. erleidet den Kulturkollaps

Es gibt Termine, die kehren alle Jahre wieder. Weihnachten zum Beispiel. Aber das ist längst vorbei. Dafür stand gerade die Kleinkunstmesse im Schwarzwaldstädtchen F. wieder auf dem Programm. Dorthin reiste natürlich Journalist F. in seiner Eigenschaft als Kulturchef F. nebst Kollegin R. Ein bewährtes Team also. Grund für die viertägige Abenteuerdienstreise war wie immer der Fang von Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstlern für den aufregenden Wettbewerb, der im September wieder im Städtchen S. stattfinden wird.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Die Messehallen im Schwarzwaldstädtchen F. bei Nacht. Schließlich sind Künstler ja auch Wesen, die am liebsten im Dunkeln ihr düsteres Treiben absolvieren.

Tag eins begann mit der gemütlichen Fahrt im Journalistenfahrzeug in den Süden der Republik. Wie gewohnt erwartete die beiden fleißigen Messebeschicker strahlender Sonnenschein in F. nebst frühlingshaften Temperaturen. Ideal also, um den traditionellen Besuch im Möbelhaus I. durchzuführen. Das liegt nämlich ganz in der Nähe der Messehallen und bevor sich Kulturchef F. und Kollegin R. zum anstrengenden Standbaufbau begaben, stärkte man sich zunächst mit Elchgulasch und andern Leckereien aus dem Land Sch. Anschließend wurden die eingenommenen Kalorien durch den kilometerlangen Gang durch die herrlichen Abteilungen mit Geschirr und anderem Schnickschnack wieder abtrainiert. Wie auch immer, der Ausgang war irgendwann erreicht und man trat den Weg zur Messe an.

Dort herrscht natürlich reges Treiben. Denn nicht nur das Dreamteam aus dem Städtchen S. wollte seinen Stand aufbauen, sondern auch alle anderen, die zuhauf Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstler auf diesen größten Sklavenmarkt der Bühnenkunst mitgebracht hatten. Schnell stellte man jedoch betroffen fest, dass zahlreiche Zubehörteile der Standausstattung im Städtchen S. zurückgeblieben waren. Das hat schon Tradition. Ebenso wie die anschließende Rückkehr ins Möbelhaus I. Wieder einige hundert Meter vom hochhausartigen Parkgebäude zum Eingang, treppauf, treppab und dann ins Paradies für Konsumterroristen. Kaffeetassen in blau, das Stück für läppische 50 Cent erstanden Kollegin R. und Journalist F., zudem Duschgel in lila, Handcreme in rosa, eine Spülschüssel in weiß, eine Papierkorb von gleicher Farbe, sechs Kaffelöffel und ein beachtliches Glas, in dem später diverse Leckereien Platz finden sollten. Kaum waren die Schätze im Journalistenfahrzeug verstaut, ging es zurück ins Spezialitätenrestaurant, wo man sich an Kaffee und Kuchen gütlich tat. Den anschließenden Einkauf von Klebeband und anderen Utensilien will der Schreiber dieser Zeilen überspringen. Man landete schließlich im Hotel B., das sich im Lauf der vielen Jahre, die Journalist F. dort schon übernachtet, überhaupt nicht verändert hat. Dadurch ist ein gewisser nostalgischer Charme geblieben, der fatal an die späten 70er-Jahre erinnert. Zudem die Einrichtung in Eiche rustikal nebst dem passend gemusterten Teppichboden eindeutig sichtbare Spuren der Zeit aufweist. Trotzdem, es geht dort gemütlich und familiär zu und das Frühstücksbüffet am Morgen ist jeweils der Höhepunkt des Messetages.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Solch herrliche Gläser für Leckereien gab es im Möbelhaus I. Die Spezereien wurden gebraucht, im Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstler anzulocken, was auch mit viel Erfolg gelang

Gleich am nächsten Morgen wurde es dann erst mit dem Kleinkünstlerfang. Doch die Sache ging recht schleppend voran. Es herrschte zwar buntes Treiben in den Hallen, doch alles war noch unkoordiniert und chaotisch. Trotzdem: ein oder zwei umherirrende Kleinkünstler konnten geworben werden und ihre entsprechenden Steckbriefe warnderten in den Trophäenkorb von Kulturchef F. und Kollegin R.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Kollegin R. wartet auf Kleinkünstlerinnen und Kleinkünstler. Doch nur wenige verirrten sich im Gewirr der Messestände.

Zum Glück wartete am Abend ein gar köstliches Mahl auf die beiden Standbetreiber. Denn es war erstmals Messeparty angesagt. Und für einen netten Abend nebst Speis und Trank musste man immerhin 35 Euro zahlen. Das konnte eigentlich nur kulinarischen Hochgenuss versprechen. Leider ahnte Kulturchef F. schon, dass hier mal wieder Freund Nepp am Werk sein würde. Denn für den recht stolzen Betrag von umgerechnet 70 alter Mark pro Nase wurde Salat, drei Sorten Suppe, einige undefinierbare Backwaren und fettes Schweinefleisch geboten. Kein Wunder, dass nur Wenige das Angebot annahmen. So war die Party doch eher ein Erfolg für die durchführende Eventagentur, die sicherlich den größten Teil des Salärs eingesteckt hatte. Immerhin, dafür hatte man von Seiten der rührigen Eventmanager diverse beleuchtete Theken aufgestellt und das Essen in unappetitlichem Rot angestrahlt. Das sorgte für mangelnden Appetit der Gäste und so wäre das eine prima Idee für das Programm von Journalist F.s Diätklübchen. Tauche deine ganze Wohnung in Rot und man sieht keine Falten mehr. Zudem purzeln die Pfunde, weil jede Nahrung irgendwie wie eine außerirdische Salmonellenfalle aussieht.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Wenig Hektik am ersten Messetag. Auch nicht beim großen Büffet, das am Abend großes Erstaunen hervorrief.

Der nächste Morgen brachte erschreckende Erkenntnisse. Reichte früher eine halbe Stunde zur morgentlichen Toilette, sind es mittlerweile 45 Minuten geworden, bis Journalist F. die Renovierung des Körpers so weit abgeschlossen hat, dass er sich gefahrlos in die Gesellschaft anderer Menschen begeben kann. Am Frühstückstisch im Hotel B. das gewohnte und geliebte Ritual. Es gibt natürlich Rühreier (Journalist F. käme zuhause in Bad G. nie auf die Idee, sich zum Frühstück Rühreier zu machen, obgleich, so sei versichert, er diesen Vorgang durchaus mit Leichtigkeit beherrscht. Kollegin R. hatte natürlich wie immer die geheimnisvolle blaue Plastikdose dabei – einst ein Geschenk einer wohl meinenden Krankenkasse – in die im Laufe des Frühstücks diverse Köstlichkeiten für die Nahrungsaufnahme im Laufe des langen Tages am Messestand wanderten. Wie auch immer, fast pünktlich erreichte man die Messe und gut gelaunt begann das Tagewerk.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Hurra, Chansonnier Sch. kam zu Besuch. Mit ihm Kleinkünstlerin H. und ein ebenso mürrischer wie unbekannter Kulturorganisator.

Natürlich kam auch netter Besuch an den Stand von Kollegin R. und Kulturchef F. Agentin K. zum Beispiel, die aus Kostengründen auf einen eigenen Stand verzichtet und lieber frei laufende Künstler einzufangen versucht. Oder Unterhaltungschefin E. vom lokalen Fernsehsender, mit der Kulturchef F. Pläne für die Zukunft der Kleinkunst im Städtchen S. schmiedete. Besonders freute sich Journalist F. natürlich über den Besuch von Chansonnier Sch., der mit Abstand auf Nummer eins der persönlichen Künstlerhitparade des fleißigen Kulturorganisators steht. Mit dabei natürlich auch Kleinkünstlerin H., die zusammen mit Chansonnier Sch. ein mitreißendes Bühnenprogramm entwickelt hatte.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Kollegin R. sichtlich ermattet.

Zehn Stunden Dienst am Stand können trotz netter Gäste ziemlich lang und anstrengend sein. Daher begab man sich zwischendurch auf Kleinkünstlereinkaufstour. Eingepackt wurde ein sprechender Elefant auf einem Dreirad und ein zaubernder Mandelbäcker, der seine Kunststücke vorführt und gleichzeitig unschuldige Kinder mit sündigem Naschwerk füttert. Die Eltern im Städtchen S. werden einen Sturm des Protestes auslösen, so viel ist jetzt schon sicher.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Dieser zaubernde Zuckerbäcker wird bald zu Gast im Städtchen S. sein.


Kleinkünstlersklavenmarkt
Irischer Gesang kann ganz schön anstrengend sein, besonders für die Zuhörer…

Ähnlich ging es am letzten Messetag weiter. Man sah schaurig schöne Dinge, hörte schaurig schrecklichen Gesang und zweifelte am geregelten Lauf der Welt. Irgendwie entstand der Eindruck: wer nichts wird, macht einfach auf Kleinkunst. Sicher, man tut mit dieser Einstellung sicherlich den ernsthaften Künstlerinnen und Künstlern Unrecht. Aber trotzdem sei diese Theorie provokant in den Raum gestellt.

Kleinkünstlersklavenmarkt
Bunte Figuren – bestens geeignet, Kinder und Rentner zu erschrecken.

Viel zu schnell verging die Zeit und schon wurde es wieder Zeit für die Rückreise. Aber im nächsten Jahr will Journalist F. wieder zur Kleinkunstmesse kommen. Der Termin ist schon fest notiert!
28.1.08 23:43


Journalist F. gerät in Stress

Während Künstler Irgendlink das süße Leben in der Bundeshauptstadt B. genießt, indem er Tauben füttert und homophile Menschen im Museum bewundert, muss Journalist F. den harten Arbeitsalltag bewältigen. Und das ist gar nicht so einfach. Besonders, seit man den fleißigen Kulturorganisator ganz offiziell zum kommissarischen Leiter der Kulturverwaltung im Städtchen S. ernannt hat, jagt ein Termin den nächsten. Da gilt es cineastische Vereinsmitglieder zu beruhigen, denen Kulturorganisator F. zwar ständig größere Geldsummen überweist, die aber trotzdem der Ansicht sind, belogen und betrogen zu werden. Künstler geraten in nervöse Zustände, wenn sie daran denken, in Bälde beim nächsten Jazzfestival auftreten zu müssen. Dazwischen ständig Besprechungen mit Oberbürgermeister J., Ratssitzungen mit eifrigen Kommunalpolitikern und ähnlich lustige Dinge mehr. Kein Abend vor 18 Uhr Feierabend, meist wird es später. Heute, Freitag, war es wirklich kurz vor 20 Uhr, als Kulturorganisator F. mit Chef R., der jetzt neben der Kultur auch für Schulen, Kindertagesstätten, Jugendzentren und andere soziale Brennpunkte zuständig ist, das Büro des Oberbürgermeisters nach dreistündigem Sitzungsmarathon verließ.

Zuvor hatte am Morgen Journalist F.s Luxuszahnarzt die Rechnung für einen notwendigen Ersatz im Journalistengebiss gemacht und war dabei nach langer Addition auf einen Betrag von rund 5000 Euro gekommen. Da es sich dabei um schätzungsweise zweieinhalb Beißerchen handelt, die kunstvoll aus edlen Materialien geformt werden, kostet jedes dieser Schmuckstücke so viel wie das neue Billigauto aus dem Land I. Nur wird dieses eben von angeketteten Kindersklaven gebaut, während Journalist F.’s Zähne aus echter deutscher Handwerksarbeit stammen. Qualität hat eben ihren Preis.

Wie auch immer, zum Trost durfte Journalist F. gleich ohne Pause vom Amt zum nächsten journalistischen Event reisen. Comedian Sch., der im Städtchen I. vor nicht allzu langer Zeit einen Preis gewonnen hatte, hatte sich im Nachbarstädtchen Z. angesagt. Immerhin, zur zweiten Hälfte des Feuerwerks politischer Pointen, zumeist zu Lasten von Bundeskanzlerin M., kam der fleißige Zeitungsschreiber noch gerade recht.

Morgen werden dann die Koffer gepackt. Denn am Montag geht es los zum alljährlichen Sklavenmarkt der Kleinkünstler im Schwarzwaldstädtchen F. Dort hat man wieder einen Stand und Journalist F. wird in seiner Rolle als Kulturchef F. nebst Kollegin R. nette Künstlerinnen und gut aussehende Künstler treffen. Hoffentlich. Wie auch immer, Journalist F. wird demnächst ausführlich berichten!
19.1.08 01:18


Journalist F. berichtet über mutige Männer

Manchmal passieren Dinge, die gibt es sonst nur im Fernsehen. Beispielsweise jüngst im Nachbarstädtchen Z. Dort stand ein junger Mann mit seinem Wagen an einer Ampel, als plötzlich ein schwarz maskierter Unhold die Beifahrertür aufriss und eine Pistole zückte. Kaum hatte sich der ahnungslose Autofahrer von diesem Schreck erholt, stieg durch die Hintertür ein weiterer Maskierter ein. „Fahr uns in die Landeshauptstadt S.!“ lautete der Befehl in reinem, akzentfreien Hochdeutsch. Das tat der tapfere Bürger des Nachbarstädtchens Z. auch. Kaum da angekommen, stiegen die beiden Gangster aus und entfernten sich. Kein Wunder, unser Entführungsopfer war so verwirrt, dass er erst einmal nach Hause fuhr und seiner besorgt wartenden Lebensabschnittsgefährtin von dem Verbrechen berichtete. Die erst konnte ihn überreden, ordnungsgemäß die Polizei zu informieren. Wo genau in der Landeshauptstadt S. er die Bösewichte rausgelassen hatte, wusste unser junger Mann nicht. Er kannte sich dort nämlich überhaupt nicht aus, wie er den Beamten berichtete.

Entführung im Nachbarstädtchen Z.
Sahen so die Entführer vom Nachbarstädtchen Z. aus? Die Vermutung liegt zumindest nahe.

Das zu lesen, hat den fleißigen Journalisten F. natürlich sehr belastet. Sah er sich doch schon nächtens im Nachbarstädtchen Z., gerade von einem schaurigen Kulturevent kommend und dann auch noch von bösen Männern überfallen und entführt. Sollte die Angst in Zukunft ständiger Begleiter von Journalist F. sein?
Doch es sollte ganz anders kommen. Denn der Entführte hatte die Geschichte nur erfunden. Aus Angst vor dem Zorn der Freundin über seine zu späte Heimkehr, wie sich letztendlich herausstellte. Die Freundin muss ein Monster sein, wenn man zu solchen Ausreden greifen muss!

Entführung im Nachbarstädtchen Z.
Ging es so beim Polizeiverhör im Entführungsfall „Schwarze Maske“ zu?.

Da fällt Journalist F. doch gerade die Geschichte ein, als Petrus den Empfangsbereich des Himmels inspiziert. Dort befinden sich zwei Schalter. Rechts einer mit der Aufschrift: „Für geknechtete Ehemänner“ und links einer mit dem Titel „Für starke, selbstbewusste Männer, die sich durchzusetzen wissen“. Am rechten Schalter gähnende Leere, links hingegen eine lange Warteschlange. Petrus geht auf einen der Wartenden zu und fragt: „Nun, mein Sohn, warum stehst du an diesem Schalter an?“ „Weil meine Frau gesagt hat, ich solle das machen!“ lautet spontan die Antwort.

Entführung im Nachbarstädtchen Z.
Ein Bild des Entführten und seiner Freundin aus glücklicheren Tagen. Ob die Einigkeit jetzt noch anhält?.

Fazit: drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch was Besseres findet – rät Journalist F. den geneigten Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs.
4.1.08 00:03


Journalist F. sagt: „Prosit Neujahr!“

Es ist Silvester, oder genauer gesagt: schon Neujahr. Journalist F. hat einen guten Rutsch nach 2008 hingelegt und ist gerade von einer aufregenden Silvesterparty nach Hause gekommen. Der erste Gedanke war natürlich, die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs auf dem Laufenden zu halten und mit den neuesten Neuigkeiten und Skandalen zu versorgen.

Prosit Neujahr!
Den Jahreswechsel verbrachte Journalist F. dieses Mal mit Busfahrerin M., Freundin F. und Hartz-IV-Vollstrecker M. Es war eine lustige Runde, bei der man die ebenfalls anwesenden Hunde K. und J. auf gar keinen Fall beachten durfte.

Dieses Mal hat Journalist F. den Jahreswechsel in der Landeshauptstadt S. verbracht, genauer gesagt, bei Busfahrerin M. und Hartz-IV-Vollstrecker M. Beide hatten eingeladen und um große Rücksichtnahme auf die Kampfmeerschweinchen K. und J. gebeten. Verzeihung, Busfahrerin M. besteht darauf, dass es sich bei den netten Wesen um so genannte Hunde handelt. Ein Vergleich mit den dieser Gattung eindeutig zugehörigen Tieren B. und O., in der Galerie B. beheimatet, lässt jedoch nachdenklich werden. Doch das nur am Rande. Wie auch immer, die Hunde K. und J. sind nämlich alljährlich zu Silvester hell begeistert vom Feuerwerk, das landauf, landab abgeschossen wird. Doch weniger die pittoresken Farbenspiele der feurigen Neujahrsbegrüßung noch die exorbitante Feinstaubbelastung, die dadurch entsteht, bringt so richtig Schwung in die beiden possierlichen Tierchen. Es ist vielmehr der ohrenbetäubende Lärm, der für kleine Minihunde nun mal wesentlich unangenehmer klingt als für ihre Herrchen und Frauchen.

Prosit Neujahr!
Hier ignoriert Busfahrerin M. gerade Hund K. Der Tierschutzverein wird wahrscheinlich das nächste Mal ob solch seelischer Grausamkeit eingreifen.

„Auf gar keinen Fall die Hunde bedauern, wenn sie Angst haben!“ mahnte Busfahrerin M. und erteilte Freundin F. und Journalist F. gleich eine Lektion in Tierpsychologie. "Dann wird es nur noch schlimmer." Leider kann Journalist F. großen, traurigen Hundeaugen nicht widerstehen und hat daher auf dem Höhepunkt des beinahe barocken Feuerzaubers, während Busfahrerin M. durch mehrere Explosionen in ihrem Vorgarten abgelenkt war, die armen Tierchen getröstet. Es hat ihnen sichtlich gut getan und besonders Hund J. wich Journalist F. bis zum Ende der Party nicht mehr von der Seite.

Prosit Neujahr!
Hund J. wich Journalist F. nicht mehr von der Seite. Das hatte auch seinen geheimen Grund.

Um sich die Zeit bis Mitternacht zu vertreiben, hatten Busfahrerin M. und Hartz-IV-Vollstrecker M. ein köstliches Buffet aufgebaut, das es mit Hilfe komplexer Brattechnik in einen gegarten Zustand zu versetzen galt. Alle haben fleißig mitgemacht und konnten so gesättigt und zufrieden ins Neue Jahr hinübergleiten.

Prosit Neujahr!
Nach Mitternacht war das Buffet völlig geplündert, wie dieses investigative Aufnahme zeigt. Freundin M. war daran genauso Schuld wie Hartz-IV-Vollstrecker M. Der Anteil von Journalist F. soll hier verschämt verschwiegen werden.
1.1.08 03:27


Journalist F. misst die Weihnachtszeit

Es ist doch immer wieder das Selbe: man wacht auf und plötzlich steht Weihnachten vor der Tür. Journalist F. gehört nämlich zu den seltenen Exemplaren der Gattung Homo Sapiens, welche die untrüglichen Anzeichen der Bedrohung einfach übersehen, die seit den Spätsommertagen landauf, landab zu erkennen sind. Lebkuchen im August, Nikoläuse im September, ab Oktober blinkende Weihnachtsbäume und einen Monat später ist ausschließlich weihnachtliches Liedgut zu vernehmen.

Weihnachtsticken
Plötzlich wird es Weihnachten – auch im Jahr 2007.

Leider auch in den Kirchen und Konzertsälen, für deren zeitungsmäßige Präsens Journalist F. zuständig ist. Beziehungsweise, je näher Weihnachten rückt, desto seltener sind gut geheizte Hallen der Austragungsort kultureller Schreckensevents, sondern nur noch ungeheizte Sakralräume. Zudem man natürlich keinesfalls auf Kirchenbänken bequem sitzen darf. Schließlich ist der Besuch eines Gottesdienstes, zu dem diese Räumlichkeiten normalerweise dienen, kein Vergnügen. Da gibt es gewisse Parallelen zu Weihnachtskonzerten. Denn was in den letzten Wochen ans Ohr von Journalist F. gedrungen ist, sollte zum Wohle der geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs hier unerwähnt bleiben.

Weihnachtsticken
Daher singen sie wieder. Überall und gnadenlos– auch im Jahr 2007. Und Journalist F. immer dabei.

Nur so viel: es war schrecklich. Normalerweise leidet Journalist F. ja einsam und alleine, wenn er in überfüllten Kirchenschiffen steht (denn kein Veranstalter landauf, landab denkt auch nur im Entferntesten daran, den Vertretern der Presse einen Platz zu reservieren, geschweige denn eines der raren Programmhefte aufzuheben). Ein Termin jedoch teilte er mit Künstler Irgendlink. Während sich ein paar versprengte Zirkussänger aus der ehemaligen kommunistischen Musterweltmacht U. in Mönchskutten gezwängt hatten, um angebliche gregorianische Lieder zu singen (die sich letztendlich aber viel mehr wie der altbekannte Don-Kosakken-Gesang anhörten), fror Künstler Irgendlink in der hinteren Bankreihe, wo er noch ein Plätzchen hinter einer zugigen Säule erwischt hatte. Der Singsang war einschläfernd und da wurde einem bewusst, wie es ist, zu erfrieren: man schläft einfach ein. Also hieß für Journalist F. bis zur Pause „wach bleiben!“ die Devise. Als die letzten Klänge der russischen Seele durch das Kirchenschiff gehallt waren, eilte der fleißige Zeitungsschreiber sofort zu Künstler Irgendlink, um diesen in letzter Sekunde zu wecken. Anschließend floh man in ein einschlägiges Restaurant, um dort den Rest des Konzertabends bei Grillfleisch und Gemüse zu verbringen.

Weihnachtsticken
Singende Mönche in klirrender Kälte – fast wie in der sibirischen Heimat der lautstarken Sänger aus dem Heimatreich des Kommunismus.

Aus Dankbarkeit für die wundersame Rettung erhielt Journalist F. kurz darauf auch ein Geschenk. Völlig überrascht öffnete der rasende Reporter die hübsch eingepackte Schachtel, die plötzlich vor der Tür der Journalistenwohnung in Bad G. lag. „Herzlichst, Frankendlink“ war darauf zu lesen. Doch Misstrauen war dieses Mal nicht angebracht, denn das Paket enthielt einen ebenso hübschen wie praktischen Gegenstand. Ideal geeignet, die anbrechende Weihnachtszeit zu messen! Danke, Wissenschaftler Frankendlink! sagt Journalist F.!

Weihnachtsticken
Wem die Stunde schlägt: dank Wissenschaftler Frankendlink weiß es nun jedermann, der in der Journalistenwohnung das ebenso stille wie geheime Örtchen besucht.

Ach ja, bevor es vergessen wird: Journalist F. wünscht allen Leserinnen und Lesern des Journalistenblogs ein frohes Fest und einen knalligen Übergang ins neue Jahr!

Weihnachtsticken
Das war’s auch schon mit Weihnachten 2007. Bald folgt das neue Jahr mit vielen neuen Abenteuern von Journalist F.
27.12.07 23:09


Journalist F. schreitet zur Wahl

Alles muss seine Ordnung haben. Sogar beim Kunstverein im Nachbarstädtchen Z. Denn dort war der erste Vorsitzende seit mehreren Jahren im Zustand des Dauerbeleidigtseins und beschloss daher, sein gewichtiges Amt einfach niederzulegen. Als Nachfolger war Künstler Irgendlink auserkoren. Doch alles sollte ganz anders kommen, wie die nachfolgende Schilderung der dramatischen Ereignisse zeigt.

Wahlgetümmel
Pünktlich zum Nikolaustag wählte man bei den Kunstfreunden einen neuen Vorsitzenden. Das Wetter war kalt und nass, doch drinnen ging es heiß her.

Da natürlich jeder großes Interesse hatte, was der scheidende Vorsitzende T. wohl für ein Geschenk zum Abschied erhalten würde, war der Raum an diesem regnerischen Spätherbstabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Mühe erhielt Journalist F. noch in einer Ecke ein Plätzchen. Allerdings eines, wo er an die Köstlichkeiten, die auf den Tischen zum wohlfeilen Gebrauch der Anwesenden aufgebaut waren, nicht herankam. In der Menge konnte man Künstler Irgendlink entdecken, der allerdings gar keinen frohen Eindruck machte. Neben ihm der Noch-Vorsitzende T., dessen Augen deutlich vom steten Strom der Abschiedstränen benetzt waren.

Wahlgetümmel
Künstler Irgendlink (Mitte) wirkte verdächtig ruhig und betrübt. Bald würde sich der Grund dafür offenbaren.

„Liebste Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, verehrteste Pinseljünger und – jüngerinnen!“ setze der scheidende Vorsitzende T. seine Rede an. „Seit mehr als 70 Jahren bin ich jetzt Chef in diesem illustren Verein, voll von Freude und Farbe. Doch einmal kommt der Tag, da muss man Adieu sagen, da muss man tränenüberströmt Abschied nehmen von allen lieben Maltanten und Bildhaueronkeln!“ Die Anwesenden waren von solch gewaltigen Worten sichtlich beeindruckt und gerührt.

Wahlgetümmel
Die Rede von T. war mit zwei Stunden extrem kurz. Es wäre noch weiter gegangen, doch die Rührung übermannte den fleißigen Kunstorganisator.

Viele andere Mitgliederinnen und Mitglieder ergriffen das Wort an diesem Abend. Man dankt überschwänglich und die Lobesworte wollten kein Ende nehmen. Doch auch kritische Stimmen wurden laut: „Wo sind die Vereinsmillionen hin?“ wollte beispielsweise Schriftsteller O. wissen. Diese Frage wurde jedoch mehrheitlich als pietätlos von der Tagesordnung gestrichen. Doch Vorsitzender T. wollte ehrlich sein. „Wir haben alles in Rubbellose investiert!“ bekannte er der applaudierenden Menge.

Wahlgetümmel
„Eigentlich eine gute Idee, das mit den Rubbellosen!“.hörte man die Menge murmeln.

„Und wir haben sogar gewonnen: 20 Euro!“ strahlte Vorsitzender T. Dass man diesen Gewinn gleich in das Abschiedsgeschenk für die Gattin des Vorsitzenden investiert hatte, behielt Künstler Irgendlink in seiner Eigenschaft als zweiter Vorsitzender der Kunstfreunde im Nachbarstädtchen Z. für sich.

Wahlgetümmel
Dramatische Szenen bei der Übergabe der Blumen. Vorsitzendengattin T. wollte Künstler Irgendlink mit den Worten „Du bist mein Held und der Mann meiner Träume!“ heftig küssen, doch eine dornige Wand voller Blumen stand zwischen den Lippen des Paares.

Dann wollte man zur Wahl des neuen Vorsitzenden schreiten. „Hat jemand etwas dagegen, wenn das Künstler Irgendlink übernimmt?“ fragte Bürgermeister H. in die Menge? „Ich will aber gar nicht!“ rief der bekannte Künstler laut aus. Ein unheimliches Schweigen legte sich über die Versammlung. Hatte hier der grausame Wissenschaftler Frankendlink seine Hände im Spiel?

Wahlgetümmel
Bürgermeister H. konnte daraufhin die stürmische Menge kaum beruhigen.

„Aber ich will!“ ertönte es da aus einer Ecke, wo bislang der Kunsthistoriker H. auf seine Stunde gelauert hatte. „Ich habe zwar schon 35 Jahre keinen Mitgliedsbeitrag mehr bezahlt, aber das ist wohl kein wirkliches Hindernis, oder?“ fragte er siegessicher. „Doch!“ konnte Schriftsteller O. antworten.

Wahlgetümmel
Kniff in letzter Minute: Künstler Irgendlink. Dadurch geriet der Verein der Kunstfreunde im Nachbarstädtchen Z. in eine ernste Krise.

„Wenn ihr mich wählt, dann verspreche ich euch, dass Picasso persönlich den nächsten Malkurs leiten wird!“ trumpfte Kunsthistoriker E. auf. „Der ist doch schon lange tot!“ wusste eine Stimme aus der Menge einzuwerfen. „Ich bringe die Mona Lisa ins Nachbarstädtchen Z. und jeder darf sie anfassen!“ legte der Kandidat noch eins drauf. „Die haben wir alle schon gesehen!“ hieß es aus den Reihen der abgeklärten Kunstfreunde. Welches Argument sollte jetzt noch trumpfen?

Wahlgetümmel
„Wenn ich mich wählt, verspreche ich euch, dass ihr alle im Lotto gewinnen werdet!“ Mit diesem eidesstattlichen Versprechen von Kunsthistoriker E. hätte wohl niemand gerechnet.

Jetzt blieb den Kunstfreunden gar nichts anderes mehr übrig, als Kunsthistoriker E. zum neuen Vorsitzenden zu wählen. So endete der Abend mit eitel Freude und Sonnenschein. Journalist F. wird berichten, wie reich die Mitglieder des Vereins bald geworden sein werden.
16.12.07 14:17


Journalist F. hat die Galerie B. nicht vergessen

Journalisten sind ständig Anfeindungen ihrer Umwelt ausgesetzt. Aber Journalist F. weiß sich schon im Voraus zu wehren. Damit es beispielsweise nicht heißt, im Journalistenblog wäre nur etwas über Galerist B. zu lesen, wenn er kocht, hier wieder ein aktueller Lagebericht aus dem Konsumtempel der Kunst in der Kreis- und Universitätsstadt H.

Galeriebesuch bei Nacht
Immer wieder beeindruckend: der Eingang der Galerie B. bei Nacht. Im Gegenlicht steht Künstler Irgendlink und macht einen unheimlichen Eindruck.

Allmonatlich versammeln sich dort, wie man weiß, viele Künstlerinnen und Künstler, um ihre aktuellen Waren feilzubieten. Um dieses Ereignis auch gebührend zu feiern, spendiert Galerist B. dazu ein paar Kisten Wein nebst Dosenbier.

Galeriebesuch bei Nacht
Auch Künstler Irgendlink trinkt begeistert das Bier der Nobelmarke „5%“. Galerist B. hingegen sieht alles lieber doppelt und bevorzugt daher Getränke mit der Aufschrift „55%“…

Galeriebesuch bei Nacht
Kein Wunder, dass bei der Verköstigung einer Probe des „5%“-Biers der Protest von Galerist B. am Gesichtsausdruck abgelesen werden konnte. „Das schmeckt ja wie Wasser!“ hörte man anschließend den Aufschrei.

Ach was ist das für ein Treiben und ein Jauchzen. Und man trifft die unglaublichsten Menschen, die man niemals hier in diesen Räumen vermutet hätte. Artig parliert man über Kunst und Kultur, während die Hunde B. und O. genüsslich ihre Schweineohren verzehren, die Journalist F. traditionsgemäß mitzubringen pflegt.

Galeriebesuch bei Nacht
Hund O. knabbert sein Schweineohr, während er aufmerksam den Gesprächen über Kunst und Kultur zuhört, die überall um ihn herumschwirren.

Wie schon erwähnt, nutzt Galerist B. stets die Gelegenheit, seine Kochexperimente durchzuführen. Regelmäßig passieren dabei gewisse Unglücke, die manchmal mehr, manchmal weniger Schaden anrichten. Daher war die Erleichterung dieses Mal groß, als der fleißige Hobbykoch Journalist F. verriet: „Wir haben nix mehr in der Küche. Nur noch Reste einer Brotsuppe. Die Künstler haben unseren Kühlschrank geplündert!“

Galeriebesuch bei Nacht
„Der lügt doch. Da kocht doch ein Dampfkochtopf unter dieser Skulptur!“ warnte Künstlerin R. den entsetzten Künstler D.

Galeriebesuch bei Nacht
„Ich mache jetzt die Augen zu, dann kann mir nichts passieren!“ dachte Cousine E. in diesem Moment.

Galeriebesuch bei Nacht
Dass man aber auch über ganz weltliche Dinge redet, zeigt sich hier. „Sooo groß ist Deiner?“ meinte Künstler Irgendlink erstaunt und verblüffte damit auch den neben ihm stehenden Künstler D.

Galeriebesuch bei Nacht
Derweil erhielt Galeristin B. einen Strauß roter Rosen von einem heimlichen Verehrer. Doch wie gewonnen, so zerronnen: „Igitt, da sind ja lauter Blattläuse dran!“ entfuhr es ihrem Mund spontan, noch bevor sie ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen konnte.

Die geneigten Leserinnen und Leser des Journalistenblogs sehen also, dass Journalist F. auch weiterhin investigativ in der Galerie B. unterwegs ist. Und darüber wird er auch in Zukunft wieder berichten. Das nächste Mal soll wieder ein Kochexperiment angesagt sein, wie man in der offiziellen Einladung lesen konnte. Man darf gespannt sein.
27.11.07 23:21


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung